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Oslo bis Rjukan (39k)

Abschnitt 3: Oslo bis Rijukan

Fr 02.06.2000:
von Kiel mit der Fähre Richtung Oslo
(0 km)

Höhenprofil Um 14:00 Uhr legt die Fähre der Color Line nach Oslo ab. Wir (Jürgen, ein weiterer Norwegen-Radfahrer und ich) mit an Bord. Bei Wolken und Sonne geht es los. Die See ist ruhig, mein Magen auch.

vor der Fähre (69k)



Sa 03.06.2000:
Ankunft in Oslo
(0 km)

Höhenprofil Bei schönstem Sonnenschein und warmen Temperaturen laufen wir morgens in Oslo ein. Auf dem Ekeberg-Campingplatz wird der Rest des Tages vertrödelt. Jürgen ist übrigens gleich weiter - er hat nur drei Wochen Zeit. :->



So 04.06.2000:
Sightseeing in Oslo
(?? km)

Wieder wolkenlosen Himmel. Oslo ein wenig angeschaut, das Kon-Tiki- und das Fram-Museum besucht. Das Schöne an Norwegen ist, dass man die meisten Rasenflächen betreten und benutzen darf. Im Gegensatz zu Deutschland....

Zwei riesige Kebabs vertilgt (Vikings-Kebab, hinterm Dom Richtung Centralstasjonen).

Der T-Online-Auslandszugang funktioniert noch nicht. Deswegen wird es teuer mit der Datenübertragung, ca. 2 DM pro Minute.

Die Fram (90k) Blick vom Ekeberg (108k)



Mo 05.06.2000:
Start von Oslo in die Nordmarka bis zum See Damtjern
(41 km, 796 Hm)

Höhenprofil Der lockere Großstadtflair von Oslo hätte mich fast nicht mehr losgelassen. Dazu kam etwas Scheu vor dem Ungewissen, wie die Straßen in Norwegen so sind. Noch schnell eine warme Woll-Fleece-Jacke gekauft (so recht traue ich meiner Windstopper-Jacke nicht) und am Nachmittag lasse ich Oslo hinter mir.

Ich möchte die Tour 4 des norwegischen Radreiseführers "Fahrradführer Norwegen, Sissel Jenseth / Anne Vivi Skjerven, MobyDick-Verlag" fahren. Anfangs mit ruhigem Verkehr und geteerten Strassen Richtung Nordost. Dann wechselt die Teerdecke mit gutem Sandbelag. Mit Steigungen von 6 bis 10 Prozent geht es bald auf eine Höhe von 500 m über dem Meer. (Oslo liegt direkt am Meer.) Auf ungefähr dieser Höhe radle ich am Heggliavatnet vorbei zum Damtjern, wo ich meine Tagestour beende und mein Zelt am Ufer aufstelle. Ich genieße die Freiheit, freue mich über die springenen Fische im Wasser und die Stimmen der Natur.

Tagsüber ist es sehr sonnig (16-19 Grad), abends, wenn die Sonne hinter den Bäumen versinkt, sind es nur 7 Grad, Tendenz sinkend. Sonnenuntergang ist um 22:31 Uhr, Sonnenaufgang um 03:59 Uhr.

am Damtjern (106k)



Di 06.06.2000:
See Damtjern bis Östre Bjonevatn
(72 km, 617 Hm)

Höhenprofil Als ich am Morgen die Reif auf meinem Fahrrad und die wunderschönen Eiskristalle in der Trinkflasche entdecke, ist mir klar, dass mir heute nacht nicht ganz ohne Grund etwas kalt war. Wie vermutet hat mein sechs Jahre alter Schlafsack etwas an der originalen Wärmeleistung eingebüßt. Aber aus diesem Grund habe ich passende warme Kleidung dabei.

Um sieben Uhr hat es schon wieder ein Grad plus. Schließlich scheint die Sonne schon seit drei Stunden, allerdings nicht auf mein Zelt, aber zumindest direkt am Ufer, wo ich heißen Kaffee und mein letztes richtiges Schwarzbrot ("Schwarzes Ferkel" hieß es) genieße.

Anfangs geht es erstmals abwärts nach Åsa. Durch zwei kurze Tunnels Richtung Hönefoss und Jevnaker. In Jevnaker kaufe ich auch gleich im Mega-Supermarkt ein. Verlockend viele Kekse, Gebäck und Süssigkeiten machen es mir schwer, den großen Einkaufswagen nicht vollzuschlichten. Ein kleiner Becher Moltebeerenjoghurt wird gleich geleert. Und Willkommen im Reich der gesalzenen Butter und der sortenlosen roten und grünen Äpfel. Alle Taschen bis zum Platzen voll radle ich motiviert auf und ab an der Ostseite des Randsfjorden bis Bjoneroa und biege auf einer geteerten Nebenstraße nach Westen ab. An einem kurzen Seitenweg zu einem kleinen Moor-See schlage ich mein Zelt auf und versuche die Packtaschen in ihre normale Größe zurückzuverwandeln, indem ich kräftig esse. Zum Glück kann man das norwegische Brot gut zusammenpressen und alles passt wieder. Nur der große Kuchen ist zuviel und deswegen als Frühstück bestimmt.

Entlang der meisten norwegischen Straßen gibt es einen ca. 50 cm breiten markierten Streifen. Normalerweise fahren die Kraftfahrer nicht über den Streifen, so dass man auch bei engen Sträßchen recht sicher fahren kann, evtl. ausgenomen Kurven und Tunnels.

Der Wetter-Schutzpatron der Radfahrer, der Hl. St. Ortlieb, meint es gut mit mir. Nachdem ich gestern noch zwei Wetz-Löcher (irgendwann irgendwo entlanggeschrammt) in den beiden vorderen Packtaschen mit Nahtdichter geflickt habe, bleibt es weiterhin sehr sonnig.

Blick über Åsa (68k) Moorsee (91k)



Mi 07.06.2000:
Östre Bjonevatn über Hedalen bis Langevatn
(106 km, 1431 Hm)

Höhenprofil Heute bin ich echt früh los. Um 8:00 bin ich auf der Piste, um den geringen morgendlichen Verkehr auf der E16 von Bjonevika bis Nes i Ådal zu nutzen. Um 8:45 haben mich auf den acht Kilometern auch nur eine handvoll Lastwägen, Autos und ein Linienbus überholt. (Spätabends soll auch weniger Verkehr sein.) Auf diesem Stück der E16 gibt es keinen nennenswerten Seitenstreifen und die Strasse scheint mir schmäler als die bisherigen Nebenstrecken zu sein.

Warum ich das erwähne? Der Verkehr beeinflußt sehr, wie man eine Fahrstrecke erlebt. Hoher Verkehr, schmale Straßen und unübersichtliche Kurven können den Fahrgenuß komplett verderben. Besonders die Europastrassen in Norwegen, die die Regionen verbinden, sind meist stark befahren. Auch die Geschwindigkeit ist hoch. Im Gegensatz zu den Nebenstrecken, die sich den Berg hinaufwinden oder die verstreuten Häuser verbinden. Da hat der norwegische Kraftfahrer noch Zeit und fährt gemächlich - besonders bergauf.

Von Fossholt mache ich einen kleinen Abstecher in das Vassfaret, wo angeblich die letzte freie Bärenfamilie in Norwegen lebt. Es ist auch ein Schutzgebiet mit vielen Restriktionen. Wenn ich mir aber die breiten "Forstautobahnen" und die Holzstapel ansehe, verstehe ich nicht, warum man als normaler Mensch nicht mal totes Holz sammeln dürfte. Bären habe ich auch keine gesehen. Eigentlich lohnt sich dieser Abstecher nicht. Er ist zwar im Fahrradführer beschrieben, aber man fährt 50 km und 200 Hm, nur um ein bißchen auf Forststrassen zu fahren. Schön ist es zwar schon, aber anderswo ist es auch schön.

Nach diesem Abstecher geht es stetig das Hedalen ganz hinauf, bis auf eine Höhe von ca. 1000 m. Im Ort Hedal steht eine ca. 800 Jahre alte Stabkirche. Weiter oben säumen hunderte von Hütten den Weg. Jedem Norweger seine Hütte... Dannach geht es etwas abwärts, dann auf ungefähr gleicher Höhe bis zu meinem heutigen Schlafplatz in dem Uferbewuchs am Langevatn auf 900 m Höhe.

Stabkirche von Hedalen (60k)



Do 08.06.2000:
Langevatn, Nesbyen, Rukkedalen, Campingplatz nähe Tunhovd
(47 km, 834 Hm)

Höhenprofil Kurzer Gegenanstieg vor Nesbyen, sehr langgezogenes Rukkedalen bis Buvatn, wenig Abfahrt und kurzer Gegenanstieg zu/in Tunhovd, Abfahrt zum Campingplatz nähe dem See Tunhovdfjorden.

Wie das Radfahren in Norwegen so ist? Naja, die meiste Zeit verbringt man mit bergauffahren (oder hügelauffahren). Von den Steigungen und der Landschaft würde ich die meisten Strecken als gute Voralpen-Mountain-Bike-Strecken einschätzen. Nur bessere Straßen und keine Singletrails. Jeden Tag fährt man einmal rauf und wieder runter. Oder umgekehrt, wenn man lieber in der Wildnis sein Zelt aufschlagen möchte. Die Täler sind auf ca. 200 Meter, die Päße auf ca. 1000 Meter über dem Meer. So kommt eine durchschnittliche Tagesleistung von 800-1500 Hm zustande.

Nicht unterschätzen sollte man auch recht flache Stücke an Seen, da es hier auch oft auf und ab geht. Und mit dem Gepäck radelt man erstaunlich oft in den unteren Gängen, auch unscheinbar leichten und kurzen Hügelchen. Und Anstiege machen im Schnitt nu mal 50 Prozent vom Weg aus. Zeitlich etliches mehr.

Kurz vor Ende der Tagesstrecke dringen mir seltsame Schleifgeräusche meines Fahrrads ans Ohr. Es stellt sich am Campingplatz (WC und Waschraum wohlig warm beheizt, Duschautomaten mit den alten, großen Ein-Krone-Münzen zu bedienen) heraus, dass eine Hinterradspeiche gerissen ist und die Felge wegen des leichten Achters leicht an den Bremsen wetzt. Da ich darauf vorbereitet bin, speiche ich gleich eine Reservespeiche ein. (Ritzelabnehmer, Speichenschlüssel, Luftpumpe.)

in Tunhovd (72k) gerissene Speiche (54k)



Fr 09.06.2000:
Tunhovd, Wildgehege Langedrag, Rödberg, Björkflåta, Sörstevatn
(78 km, 1332 Hm)

Höhenprofil Wer nachts in Tunhovd glaubt die Wölfe heulen zu hören, hört richtig. Im 5 km entfernten und auf ca. 1000 m gelegenen Wildgehege Langedrag gibt es einige davon. Mir gefällt er gut, bestimmt wegen der guten Aussicht und den Wanderwegen. Mit etwas Glück und Zeit sieht man auch die Wölfe beim Fressen (Sa/So 14:00 Uhr Fütterungszeit), in den Büschen dösen oder die Revierrunde drehen. Der kleine Haken: ca. 300 Hm auf Schotterpiste aufwärts von der Strasse zum Gehege.

Die Straße zum Sörstevatn geht bergauf, ist aber nicht so tierisch steil. Am Abend bin ich oben am Sörstevatn. Am See keine Zeltplatz, die mir zugesagt haben. Möglich wären z.B. Parkbuchten. Viel Wind oberhalb des Sees, viele zugemooste Steine, kein Gras, keine Bäume. Ein bißchen beneide ich diejenigen, die da oben im Auto oder warmen Campingbus sitzen und aus den Scheiben das Spiel des Sonnenlichts beobachten können. Ich muß schauen, daß ich einen Platz für die Nacht finde.

Deswegen fahre ich im schrägen Dämmerlicht und kühlem Gegenwind komplett über den Pass auf 1175 m ü.d.M. und finde ca. 100 Höhenmeter unterhalb eine durch Hang und Zwergbirken geschütze Parkbucht, die nicht Zufahrt einer der vielen Hütten ist. Nicht sonderlich sauber und schön, aber mir lieber als komplett herunterrollen, da ich morgen bei Sonnenschein evtl. das kleine Panorama auf die Hardangervidda geniessen möchte.

Wolf (126k) Nähe Sörstevatn (93k)



Sa 10.06.2000:
Sörstevatn, Tessungdalen, Nähe Bakko, Dale bei Rjukan, Südanstieg des Gaustas
(68 km, 1191 Hm)

Höhenprofil Gestern ist mir nun leider endlich der Fahrradständer umgebogen und ein Schraubenkopf abgerissen (als ich Wasser aus einem Bach schöpfte). Zum Glück kann ich den Ständer zurückbiegen (Alu!) und eine Reserveschraube anbringen. Der Ständer wird wohl nicht die ganze Tour überleben.

In der Frühe geht es die paar Meter wieder zurück auf Paßhöhe. Aber tiefe Wolken versperren die Sicht auf die Hardangervidda. Deswegen geht es bald wieder abwärts durchs Tessungdalen. Die tiefen Wolken schicken feuchte Grüße herab. Zum Glück bin ich schon im Supermarkt, als der Regenschauer (wird wohl so eine halbe Stunde mittelstark vor sich hergeregnet haben) beginnt. Aber mit vollen Taschen bin ich gut motiviert, ziehe meine Regenhose an (meine (Regen-)Jacke habe ich sowieso schon als Windschutz an) und fahre entlang dem Tinnsjö bis Dale, Ortsteil von Rjukan. Von da aus geht es in langen Serpentinen bis zum Parkplatz am Südanstieg des Gaustas.

Cooler Platz zum Übernachten am Südanstieg des Gaustas gefunden. Bei schönen Wetter geht es dann morgen auf den Gipfel (dem Gaustatoppen) auf 1880 m.

Zelt (88k)



So 11.06.2000 (Pfingstsonntag):
Besteigung des Gaustas, weiter an der R37 bis kurz vor der Paßhöhe hinter Skinnarbu am Mösvatn
(44 km, 888 Hm; 700 Hm Wandern)

Höhenprofil Höhenprofil In der Frühe (naja, 9:10 Uhr) geht es auf zum Gaustatoppen, der in knapp zwei Stunden erreicht ist. Die Norweger sind Langschläfer. In den Alpen wären schon einige Bergwanderer an meinem Zelt vorbeigekommen. Hier aber sind es nur drei Personen gegen 9 Uhr. (Übrigens: Geschäfte öffnen auch oft erst um 10 Uhr, Supermärkte schon um 9 oder gar um 8 Uhr.)

Vom Gipfel kann man, bei gutem Wetter, ein Viertel von Norwegen sehen. Ich sehe wegen den rasch heranziehenden Wolken wohl nicht alles, aber trotzdem genug. (Man sollte sich warme und winddichte Kleidung, Stirnband und Handschuhe mitnehmen. Zumindest in dieser Jahreszeit. Und zumindest war ich oben und beim Abstieg froh darum.) Der Gausta sieht eigentlich wie ein großer Steinschutthügel aus. Oben schaut ein weithin sichtbarer "Kamin" aus verkleideten grüngelben Blech aus dem Berg. Wozu der wohl gut ist? (Es geht auch eine Seilbahn o. ähnl. hier herauf, damit die Einwohner des tief im Tal liegenden Rjukan im Winter auch mal die Sonne sehen. Gebaut und betrieben von der am Anfang des 20. Jahrhunderts in Rjukan gegründeten Hydro Norsk (Energiekonzern). Aber ich bezweifle, dass damit die verrostete Materialseilbahn gemeint ist. Vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, denn es gibt auch noch die Bergbahn Krosobanen nach irgendwohin.)

Beim Abstieg kommen mir viele Leute entgegen. Senioren-Wandergruppen, einige Männer und Frauen mit Kindern im Tragegestellen oder an den Händen. Aber sie werden nicht viel Sicht haben, der Gaustatoppen ist bald in Wolken gehüllt.

Zurück nach Rjukan geht es steil bergab. Übrigens bin ich gestern auch hier rauf, und dichte Wolken waberten umher. Ein norwegisches Pärchen hat sogar angehalten und angeboten, mich mitzunehmen. Es geht ja wirklich mit 8-10 Prozent Steigung 800 Meter himmelwärts, bis echt in die Wolken... Aber solange ich mich auf dem Rad halten kann und nicht schiebe oder trage macht es ja Spass und ich habe abgelehnt. Zumal Rad, Gepäck und meinereiner in einen Kleinwagen mit schon zwei Personen und Gepäck nur schwer reinpassen. Aber trotzdem vielen Dank. Sind doch nette Leute, die Norweger.

Westlich von Rjukan geht es wieder aufwärts. Als Action-Item des Tages tut sich ein 500 m langer Tunnel vor mir auf. Zum Glück gibt es ja den alten Weg noch, denke ich. Man kann sogar einen Wasserfall bestaunen und die Gründungsgeschichte von Hydro Norsk lesen. Und man kommt bis zum anderen Ende des Tunnels. Nur ist da ein 1,50 m hoher Zaun. Unten durch geht nicht, zumindest nicht das Fahrrad. Obendrüber? Ist mir zu riskant. In Einzelteile zerlegen. Keine Lust. Also frustriert um den Berg zurück zum anderen Ende und durch den Tunnel. Vorher noch mein Rücklicht montiert. Ohne Vorderlicht, da Lenkertasche das Lenkerlicht verdeckt und die Stirnlampe zu tief im Gepäck versunken ist. Geht ja auch so, es gibt ein paar Lampen im Tunnel und ich sehe ja das Ende. Das ganze wäre ja nicht so schlimm. Angst machen mir Autos oder Lkws. Bis zur Mitte ging es noch ganz gut. Aber dann war es so finster, dass ich stückweise ziehmlich ins Pendeln komme. Und gegen Ende kommt mir ein Auto entgegen. und hinter mir kommt auch eins. Ojeoje. Schnell weg hier, aber die Muskeln sind schon total verkrampft. Aber es geht doch alles gut und ich bin draußen. Tunnels sind gräßlich. (Übrigens ist er in der Cappelen-Karte (Ausgabe 2000) falsch eingezeichnet. Er ist westlich von Rjukan, am Ende der Aufschwünge, nicht wie eingetragen, östlich.)

Auch ist auf der R37 etwas mehr Verkehr als auf den bisherigen Nebenstraßen. Insbesondere mehr Fernverkehr und ein paar deutsche und holländische Touristen (div. Campingwägen, ein Touristenbus aus HH, ein VW-Bus aus PAF). Vermutlich Pfingstwochenendverkehr. Ein Seitenstreifen fehlt mal wieder.

Hinter Skinnarbu auf knapp 1000 m finde ich einen guten Platz für die Nacht. Schönes fließendes Wasser habe auf den letzten Kilometern keines gesehen, auch nicht in kurzer Entfernung zum Zelt. Also versuche ich mich mit Schneeschmelzen - davon gibt es in der Nähe noch einen Rest. Er schmilzt schnell und ergiebig. Allerdings schwimmen etwas Schmutz und tote "Waldläuse" herum und es riecht etwas nach Wald. Deswegen begnüge ich mich für heute abend mit meinen restlichen Wasser, immerhin noch 1,5 Liter. Das reicht für Nudeln-Kochen, eine große Tasse Tee und einen kleinen Rest für den Morgen-Tee oder -Kaffee. Das geschmolzene Wasser verwende ich zum Spülen.

Das Wetter ist heute recht norwegisch. Leichte Regenschauer, Wolken, Windböen. Insgesamt recht kühl, da wenig Sonne. Die direkte Strahlungswärme der Sonne sorgt in Norwegen für die meiste Wärme. Die Lufttemperatur kann dann trotzdem nur 12 Grad sein und man fühlt sich in kurzem T-Shirt noch wohl. Umgekehrt wird es ohne Sonne schnell kalt. Mit kurzer Radlhose fahre ich sowieso immer. Nur bei abendlichen Abfahrten, starkem Wind ohne Sonne oder bei starkem Regen ziehe ich meine Regenhose drüber. Bei beständig trüben Wetter ziehe ich morgens evtl. meine Beinlinge an. Lange Radlhosen gibt es in meiner Größe nicht, nur 3/4-lang. :->. Passende Regenhosen ebensowenig. :-(

Schneemann am Gausta (66k)



Mo 12.06.2000 (Pfingstmontag):
Ruhetag
(0 km)

Farbenfroher Sonnenaufgang um 4:00 Uhr. Seitdem bewölkt mit leichten Nieselschauern. Die Sonne scheint nur gedämpft durch die Wolken. Nachdem ich morgens hinter dem nächsten Hügel einen kleinen Bach mit frischem Wasser finde (Hurra!), beschließe ich, heute einen Ruhetag einzulegen. Die Essensvorräte sind nicht mehr üppig, aber es sollte reichen. Essen ist mir an solchen Tagen auch wichtig. Besonders die kleine Knabbersachen wie Kekse, Kuchen oder Nüße. (Knuspermüsli reicht auch aus.) Damit kann man auch einen angenehmen Tag im Zelt verbringen. Kaffee und Tee wird damit köstlich umrahmt. *Schleck*

Zum Glück habe ich sogar zwei unterschiedliche Teesorten (schwarz) gekauft. Nachdem ich die erste Sorte (Engelisk Blanding) probiert habe, wollte ich den Tee schon fast wegkippen und habe eine zweite Sorte (Earl Grey Tea mit Bergamott-Aroma) gekauft. Nach einem zweiten Versuch hat sich aber herausgestellt, daß der fade Geschmack der ersten Sorte auf die Wassersorte ("Waldgebiet") zurückzuführen ist und eigentlich ganz gut schmeckt (z.B. mit Wasser der Sorte "Gletscherwasser"). Den Earl Grey Tea (mit dem duftenden Bergamotte-Aroma) gibt es spät abends zum Tagesabschluß, den anderen morgens oder tagsüber. Wobei ich morgens meist einen (Instant-)Kaffee bevorzuge. Dem Kaffee ist anscheinend die Wassersorte egal.

(Abgesehen vom schwarzen Tee habe ich eine noch Tüte mit Salbeitee gegen eventuelle Halsprobleme dabei.)

Was ich hier auch mal festhalten muss: Ab 900 m Höhe ist die Landschaft noch recht braun und wirkt öde. Die Natur steht erst am Beginn der kurzen Vegetationsperiode. Zumindest glaube ich, dass es etwas schöner wird. Denn sonst hätten die Norweger da oben nicht ihre Hütten hingebaut.

Nichtsdestotrotz gefällt mir Norwegen sehr gut. Die variantenreiche Landschaft, die bewaldeten Talhänge, die noch etwas schneebedeckten Gipfel in der Ferne, die Schneeflecken auf dem Fjell, der Blick in die Täler, der weißblaue Himmel mit immer neuen Wolkenformen, die tiefblauen Seen, die klaren Flüsse und mumelnden Bäche, das verschiedenfarbige Moos, die vom Wind und Winter verkrümmten Birken, der leichte Wind und der Regen bei Sonnenschein.

Auf dem zweiten der heutigen Tagesfotos bin ich übrigens mit meiner geliebten, in Oslo gekauften, grauen "Wollfaserjacke" der Marke Ulvang zu sehen. 65% Wolle, der Rest Kunstfasern. Trocknet aber nicht so schnell wie reine Kunstfaser und geht beim Waschen leicht ein. Dann sind wohl die Ärmel wirklich zu kurz. Ist schön leicht und dünn und hält trotzdem richtig kuschelig warm (Typ: "Schmusewolle"). Ein kleiner Nachteil: nicht sehr winddicht, aber optimal für untendrunter oder im Zelt. Naja, und fuselt leicht... (Hilft bei bestimmten Bären, die mit bestimmten Hasen etwas Bestimmtes machen. :-> Grüße an Marco und Peter.)

Die Akkus (4 Mignon, Ni-MH, 1600 mAh; insg. 12 Stück dabei, d.h. 3 Sets) für meine Kamera halten bei kalten Temperaturen nicht lange. In Deutschland waren es über hundert Aufnahmen (eine Woche), jetzt nur noch für knapp fünfzig (zwei Tage).

Wie findet man schön freie Zeltplätze in Norwegen, wenn man mit dem Rad unterwegs ist? (Verweis auf die Tipps-Seite)

Sonnenaufgang (38k) Winnie im Wollfaserpelz (99k)

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