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Rjukan bis Bergen (99k)

Abschnitt 4: Rauland, Sirdal, Stavanger, Bergen

Di 13.06.2000:
2. Ruhetag nähe Skinnarbu am Mösvatn
(0 km)

Guten Morgen! Nachdem es beständig regnet und windet, beschließe ich einen weiteren Ruhetag einzulegen. Zumal ich heute nicht sonderlich zum Regen-Radeln motiviert bin. Ich habe für mich generell beschloßen, nicht ohne starke innerilche Motivation oder wichtigen Grund bei Dauerregen loszufahren. Ist man erst mal unterwegs, ist das etwas anderes.

Am Nachmittag hört der Regen zeitweise auf und ich kann halbwegs trocken zum Bach, Wasser holen, Gesicht und Hände waschen. Zum Losradeln ist es mir zu spät, da es bei trüben Wetter schon früh ein sehr kühler Abend wird.

Meine Essensvorräte brauche ich fast komplett auf, mir bleiben Öl, Salz, Gewürze, Kaffee, Teebeutel, etwas Litago (Milchprodukt; karamellartiger Aufstrich mit säuerlichem Beigeschmack; weiß jemand was "Myse" ist?) und ein Tütchen Hühnersuppe. (Abgesehen davon habe ich noch zwei Trockennahrungstüten, vier Cliff-Bars, eine Tafel Schokolade und ein paar Traubenzucker als echte Notreserve übrig.)

Morgen wird mich der Hunger aus den Hochland in die Täler treiben... Das Wetter soll laut Yahoo-Wetterprognose für Norwegen für mein Gebiet (Rjukan, Stavanger) am Mittwoch und Donnerstag recht aufgelockert sein.



Mi 14.06.2000:
von Skinnarbu am Mösvatn über Åmot, Krossen und Dalen bis kurz vor Rotemo/Valle
(104 km,1418 Hm)

Höhenprofil Der am Zelt angefrorene nächtliche Schneeregen schmilzt in der Morgensonne dahin. Auch vereinzelte graue Regenwolken bremsen meine Aufbruchstimmung nicht. Der Luftdruck ist seit gestern gut gestiegen (Höhenmesser zeigt 45 m tiefer an).

Bei halbwegs trockenem Wetter rolle ich 60 km abwärts bis Dalen. (Natürlich mit kleinen Gegensteigungen...) Erst auf der R37 durch Rauland (gutes Ski- und Wandergebiet), vorbei am See Totak bis Åmot. Am Supermarkt "Meny" kaufe ich für sage und schreibe 482 Kronen ein. Es paßt erstaunlicherweise sogar alles in die Fahrradtaschen und es wäre sogar noch etwas Platz übrig. Das einzige was mich etwas ärgert - der Farinzucker ist pappig und muss mühsam in die enge Zuckerdose gestopft werden. Über das tägliche Rauspfriemeln möchte ich lieber nicht nachdenken. Ich vermisse meinen kleinen (Eier-)Löffel, den ich - aus übertriebenen Gewichtspargründen - Zuhause gelassen habe.

Von Åmot geht es weiter abwärts bis Dalen. Von da steigt die Straße (R38, nach den Steilkehren R45) wieder an und man erreicht ein Hochlandgebiet auf ca. 800 m ü.d.M. In dem West-Ost verlaufenden Talgebiet um Tjönnesvikvatnet und Störe Björnevatn wird es abends recht kalt und windig, da sich die Sonne meist hinter Regenwolken versteckt. Vor einem der vielen Gegenanstiege gebe ich um 20:30 meinen Plan auf, im wenige Kilometer entfernten Rotemo oder Valle einen Campingplatz aufzusuchen. Viel zu lange bin ich heute schon unterwegs und die linke Schulter schmerzt immer wieder vor Verspannungen. Zur Ausgleich schleppe ich Fahrrad und Gepäck zu Fuß den Hang hinauf und mache es mir auf den Preiselbeersträuchern gemütlich. Sofern man bei Temperaturen um 5-8 Grad und feuchtem Gesträuch davon reden kann. Zum Abendessen gibt es warme Wiener mit Brot und italienischen Wurstsalat.

Bei der langen Abfahrt habe ich mir heute überlegt, ob es Sinn macht, generell eine Kamera auf dem Helm zu montieren und die Bilder live zu senden. (BigBrother läßt grüßen.) Das wird wohl ohne Sponsor finanziell nicht machbar sein, zudem wäre das erst mit der am Anfang stehenden Mobilfunktechnik GPRS gut realisierbar. Auch müsste man die einzelnen Geräte (Kamera, Computer, Mobiltelefon, Fahrradtacho, GPS, Akkus) stabil vernetzen, was eigentlich jetzt schon möglich ist. Im Auto wäre es noch etwas einfacher unterzubringen (insbesondere wettergeschützt). Vielleicht in zwei Jahren bei de nächsten Tour...

Eine Frage kommt mir auch: Wo sind die Kühe? Importiert der Milchmonopolist Tinne die Milch oder werden die Kühe unterirdisch gehalten? Mir sind bislang keine Ställe und keine Kuhherden auf der Weide aufgefallen. Einzige mir einfallende Erklärung: Die Kühe leben in Südnorwegen, da das Land dort flacher und grüner sowie für schwere Milchkühe besser geeignet ist. Der Rest des Landes wird von Schafen und Rentieren bevölkert. Apropos Tiere: Ich glaube, es gibt mehr Verkehrsschilder mit Warnungen vor Elchen als Elche selber.

Unterwegs habe ich Jakob aus Deutschland getroffen. Er ist Tischler und mit dem Fahrrad unterwegs Richtung Geilo zu seinen neuen Arbeitplatz. Der dritte Touren-Radfahrer, den ich bislang in Norwegen (außer Oslo, dann sind es drei mehr) gesehen habe...

Achja, das mit den breiten Fahrbahnrandstreifen zu Beginn der Norwegentour war wohl nur eine Ausnahme. Aber der Verkehr ist i.allg. auf den Nebenstraßen ganz erträglich. Am Wochenende ist etwas mehr los. Touristen sind auch nur wenige schon unterwegs, meist Niederländer. (Vermutlich wegen den Bergen, weil angeblich die höchste Erhebung in den Niederlanden irgendein Golfplatzhügel sein soll. :->)

am Störe Björnevatn (48k) Aussicht aus den Preiselbeeren (91k)



Do 15.06.2000:
bis Valle
(15 km, 30 Hm)

Höhenprofil Ich sollte wieder einmal auf einen Campinglatz. Zum einem, um mich wieder mal zu waschen, auch meine Kleidung. Wobei ich gar nicht sagen kann, ob ich es denn wirklich nötig habe. Ich rieche mich überhaupt nicht. Vielleicht ist es zu kalt für die Stinkebakterien...

Viel wichtiger ist aber das Laden meiner Akkus für die Kamera. Zwei Packs (je 4 Mignon Ni-MH) sind schon leer, der dritte Pack ist in Benutzung. Auch der Handy-Akku zeigt nur 30 Prozent Energie an. Ich glaube, da pendelt sich ein allgemeiner Wochenrythmus ein

Also trödle ich morgens lange herum, bei Nieselregen und Wolken zieht es mich auch nicht nach draußen. Kurz vor vier Uhr rolle ich in das Setesdal in Richtung Valle. Hier gibt es die einzigen (schon sicher geöffneten) Campingplätze auf meiner Route, bis ich demnächst in Stavanger bin - glaube ich. Nach 15 km bin ich beim Steinsland Camping. Nachdem der Zeltplatz 75 Kronen kostet, ein Hütte nur 100 Kronen, entscheide ich mich schnell für die Hütte (Kurs: 4 Kronen sind ungefähr eine D-Mark).

Ich vermute, dass das noch ein sensationelles Vorsaison-Angebot ist. Zum Vergleich: Ekeberg-Camping in Oslo: 120 Kronen, Duschen frei; in Tunhovd: 40 Kronen, Duschen 1 Krone je Minute. Da stört es mich wenig, dass Duschen 10 Kronen für vier Minuten kostet.

Die Hauptsaison in Norwegen fängt dieses Jahr am Freitag 16. Juni 2000 an. Zumindest haben dann Bäder, Geschäfte, Museen und Ausstellungen länger geöffnet. Auch viele (höhergelegene) Campingplätze werden wohl jetzt erst öffnen.

Die norwegischen Campingplätze (und erst die Hütten) haben meist ein besonderes Flair. Viel Holz, heimelige Ausstattung (z.B. Teppichläufer) und immer eine "individuelle" Bauweise und Ausstattung von Toiletten, Duschen und Waschgelegenheiten.

Über meine ungeplante Hütte freue ich mich sehr. Mit einigen Steckdosen, Kochplatte, Kühlschrank, Terasse und Stühle sowie Betten für vier Personen. Am meisten freue ich mich aber abends über die 1000-Watt-Heizung am Fenster. Norwegen ist ein kühles Land. Besonders morgens und abends, wenn die Sonne nicht scheint. Auch im Zelt ist es nur wenige Grade wärmer als draußen. Bislang bewegten sich die Temperaturen oft zwischen 2 und 7 Grad. Wenn man da nicht in kräftiger Bewegung bleibt, wird es bald unangenehm kalt, besonders an den Fingern. Man kann sich natürlich im Schlafsack einmummeln oder in warme Kleidung einpacken. Viel Bewegungsfreiheit bleibt dann aber nicht, oder es wird unbequem oder lästig mit an- und ausziehen. Deswegen meine Freude über die Wärme und das Licht am Fenster. (Wenn auf dem Rad unterwegs bin, sind mir die kühlen Temperaturen eigentlich egal, da ich selber genügend Wärme produziere.)

Leider liegt die Hütte, bzw. der Campingplatz recht nahe an einem steilen Westhang, so dass die Sonne schon um 18:00 Uhr nicht mehr direkt zu sehen ist. Dafür scheint sie prächtig auf den gegenüberliegenden Osthang :-(.

Hütte von Steinsdal Camping in Valle (75k)



Fr 16.06.2000:
von Valle über Suleskar durch das Sirdalsgebiet bis Lysebotn
(91 km, 1746 Hm)

Höhenprofil Selbst die schönste und günstigste Hütte hält mich heute Morgen bei dem tollen Sonnenschein nicht auf. Nach dem Saubermachen der Hütte fahre ich zum "Sentrum" von Valle zurück und frische meine Vorräte auf (Milch, Joghurt, Bananen, Kaffee, Gaskartusche im kleinen Supermarkt). Ich rolle auf der R6 ein paar Kilometer gen Süden abwärts bis Nomeland und biege nach Westen in das (vermutlich schon) Sirdalgebiet ab.

Es geht auf einer schmalen Straße lange bergauf und dann in vielen Kurven durch viele kleine Täler und über viele kleine Hügel entlang von kleinen eisigen Seen und Flüssen durch ein abenteuerlich anmutendes und noch schneereiches Gebiet. Bei den kleinen Fähnchen in der Cappelen-Karte (Symbol für Winterschranke) hätte ich mir das denken können. Die ersten Schneefelder liegen schon auf 750 m Höhe, anders als bei meinen bisherigen Hochlandstrecken, die eigentlich bis 1100 m fast schneefrei waren. Es liegt wohl daran, dass es ein größeres Gebiet ist, das komplett höher liegt, nicht "kleine" Pässe oder Berge. Vielleicht liegt es auch an den stärkeren Schneefällen in Nähe der Westküste. Auf jeden Fall geht, auch bei schönstem Sonnenschein ein kalter Wind. Und manche Steigungen machen mich auf den ersten Blick etwas mutlos. Aber schließlich packe ich eine Bergstraße nach der anderen. Am unangenehmsten ist der doch etwas rege Durchgangs- und Urlaubsverkehr auf der engen Straße. Nur nicht die Konzentration verlieren und von der Fahrbahn rutschen oder zu weit nach links ausschwenken. Die Strecke ist übrigens für Motorradfahrer optimal und wunderschön - es fahren viele.

Es ist eine der einzigen drei bis vier Straßen zwischen dem Westküstenbereich von Stavanger bis Bergen und dem Osten Richtung Oslo. Es liegen nämlich große karge und unbewohnte Fjells (Hochland) dazwischen: Hardangervidda im Norden, Setesdalsheiene in der Mitte und das Sirdalgebiet im Süden. Es ist von diesen Straßen die kleinste auf der Karte, und es gibt es keine Tunnel (oder nur einen, entweder am Lysebotn oder zwei im Westen an der R45), fast keine Lkws (aber Linienbusverkehr!) und kein schnellfahrender Verkehr (enge Straße, Kurven, Steigungen und prächtige Eindrücke lassen keine Raserei wie auf den großen Europastraßen aufkommen). Deswegen bin ich nicht, wie einmal gedacht, direkt von Oslo nach Bergen, sondern recht weit nach Süden abgedriftet.

Im Sommer (ab Juli) kann man allerdings den bekannten Rallarveien von Geilo/Haugastöl nach Myrdal fahren und die Bahn nach Flåm oder Uppsete/Voss nehmen. Wie ich heute abend am Lysebotn vom Radfahrerpärchen Sabine und Jens, welches ich schon in Oslo getroffen habe, erfahren werde, ist da jetzt noch dicke Schnee auf dem Weg. Sowohl von Myrdal nach Flåm, als auch zwischen Uppsete und Mjöllfjell. Zwischen Myrdal und Uppsete muss man sowieso den Zug durch den Tunnel nehmen.

Unterwegs treffe ich einen Radtouristen aus England, aber viel Zeit für ein Schwätzchen nimmt er sich nicht, denn es wird ihm bald kalt. (Aber Neuseeland muss wirklich ein Fahrradparadies sein.)

Nach Abfahrt aus der "Hochland" gäbe es bei Ådneram einen Campingplatz. Dazwischen müsste man es sich zwischen den Schneefelder im nassen Moos oder auf Steinen gemütlich machen. Da die Sonne scheint und noch viel Zeit bis zur Dämmerung ist, fahre ich weiter Richtung Lysebotn, um mit der Fähre (Sommersaison täglich, sonst Wochenende) nach Stavanger zu gelangen. Ein Kilometer nach der kleinen Straßenabzweigung steht ein Schild mit Warnungen für Wohnmobilfahrer (auf den letzten 8 km geht es in 21 (oder 24?) Haarnadelkurven 800 Meter und einen 1,1 km langer Tunnel abwärts). Besonders der Hinweis auf den Tunnel beunruhigt mich sehr und beschäftigt mich die ganze restliche Fahrstrecke. Abgesehen davon, dass ich keinen sicheren Fährplan habe und mir geistig überlege, ob ich da wieder herauffahren würde. Immerhin geht sind es noch insgesamt 30 km bis zum Lysbotn, durch eine noch wildere Gegend als bisher. Die Steigungen nehme ich nicht mehr mit soviel Elan, es mag auch etwas an den heute schon gefahrenen Höhenmetern liegen, dem wechselnd starken Gegenwind (West!) und den Regenschauern.

Eigentlich will ich ein Plätzchen für die Nacht suchen, aber bald bin ich aus der gemütlichen tieferen Lage heraus, in engen Flußschluchten ohne Morgensonne und steinigen Höhen mit Wind, ohne dass mir ein "persönliches" Plätzchen aufgefallen wäre. Und neben Hütten oder der Straße zelte ich nur, wenn ich ganz am Ende der Kräfte oder der Motivation bin. Aber die ungewisse Angst und Neugierde auf den Tunnel und die Suche nach einen besseren Platz treibt mich voran, bis ich am höchsten Punkt (932 m), zwischen abertausenden von Steinmännchen, eine Hinweistafel mit einem Foto der Serpentinenabfahrt (sowie Tunnelein- und ausgang) entdecke. Für die Fahrt zurück bin ich geistig schon zu weit vorraus und ziehe meine winddichte Regenhose über meine kurze Radlhose, meine Windstopperjacke unter die Regenjacke (das Stirnband sitzt eh schon richtig unterm Helm), packe meine Stirnlampe griffbereit ins Lenkertäschen, kontrolliere die Spanngurte, überwinde die letzten, nun um so mehr schweisstreibenden Gegensteigungen und rolle erst einmal bis zu einem Aussichtspunkt (Caffeteria, tagsüber offen). Unten fährt ein Schiff, wird wohl eine Fähre sein. Aber morgen kommt ja wieder eine, hoffentlich...

Von da geht es langsam in endlosen Serpentinen abwärts und ich überlege, wie lange ich denn aufwärts brauchen bzw. wo ich aufgeben würde. Dann ist es wirklich vor mir, das schwarze Loch, welches die Straße verschluckt. Kein Weg links, kein Weg rechts. Kein Licht im Tunnel. Rücklicht montiert, Stirnlampe auf den Helm. Im Lampenschein sehe ich viele gut reflektierende Schilder, links und rechts, Gut.
Und? Ein österreichisches Wohnmobil hält hinter mir und der Fahrer winkt mir zu. Prima, es kann losgehen. (Für die, die nie mit dem Rad in unbeleuchteten Tunnels unterwegs waren der Hinweis, dass man am Sichersten im Lichtkegel eines langsam hinterherfahrenden Kfz's fährt.) Auf makelloser Straße geht es abwärts und durch Kurven. Hei, richtig cool! Mein Schatten rast im grellen Scheinwerferlicht die Tunnelwände mit mir in die Tiefe. Nach eigentlich zu kurzer Fahrt rolle ich ins Sonnenlicht und winke dem Wohnmobilfahrer dankend zu.

(Mit der Stirnlampe kann man gut um die Kurve leuchten, die dicht stehenden Reflektoren sind nicht zu übersehen. Und kälter oder feuchter als draußen ist es heute auch nicht... Aber im Tunnel aufwärts fahren ist noch eine ganz andere Sache.)

Am Lysebotn lasse ich mich auf dem Campingplatz nieder (90 Kronen) und ratsche ein wenig mit dem deutschen Radfahrerpärchen aus Oslo.

Lysebotn ist eine Sackgasse und verdankt seine Existenz nur dem Wasserkraftwerk. Täglich zwei normale Fähren und evtl. Epxressschiffen von der Küste bzw. Stavanger und die vielen Serpentinen aufwärts sind die einzigen fahrbaren Verbindungen. Vielleicht zieht es deswegen so viele Besucher an. (Einwohner im Ort habe ich keine gesehen. Vielleicht arbeiten sie alle - im E-Werk, wo sonst?)

Naja, es gibt den Kjerag, von dem die Basejumper springen und weiter vorne am Fjord den Prekkestolen, ein Felsüberhang, 600 m über dem Fjord. Und ein paar Wanderwege. (Ich würde mich bestimmt verlaufen. Im Hochland schaut alles recht ähnlich aus, ohne viele markanten Punkte.) Und kleine "Beissfliegen" gibt es viele.

durch Eis und Schnee (60k) Steinmännchen (97k) Match-Box-Abfahrtstrecke (103k)



Sa 17.06.2000:
mit der Fähre von Lysebotn bis Stavanger
(8 km, 183 Hm)

Höhenprofil Die Fähre nach Stavanger geht erst um 19:00 Uhr. Den Tag vertrödle ich einfach und mache nur einen kleinen Fahrradausflug zu einem Platz mit guter Sicht auf die Serpentinen. Die Fähre fährt erst kurz nach 19:00 Uhr los, da der Fähranleger klemmt. Die fahrplanmäßige Ankunft in Stavanger um ungefähr 23:00 Uhr bleibt. Schon am späten Nachmittag zieht Dunst auf, am Ende des Lysefjorden fängt es an zu regnen. Vorher geht es im fahlen Licht vorbei am Kjerag, dem Absprungplatz der Base Jumper. Vorbei an Seehunden, die auf den Felsen liegen, einem finsteren Steingesicht, einem Ort ohne Straßen, einem Ort ohne Menschen und dem hoch gelegenen und vielbesuchten Prekestolen. Um das alles im guten Licht richtig sehen zu können, sollte man eine Fähre oder ein Expressboot am Nachmittag nehmen. (Die gehen aber nur bis Lauvvik.)

Abends auf der Fähre nach Stavanger (29k) Nachts in Stavanger (62k)



So 18.06.2000:
Stavanger
(0 km, 0 Hm)

Meine Schwester meinte, dass ich Stavanger schon anschauen sollte. Desselbe meinte auch das Radfahrerpärchen gestern. Die Fahrt durch Stavanger bei Nacht war ja schon ganz nett. Nur heute Morgen ist es trüb in trübe. Regen gab es nur kurz. (BTW: Die Wetterprognose bei Yahoo ist völliger Quatsch. Vertrauenwürdiger scheint da die Wetterprognose der Zeitung Aftenposten.) Die Motivation etwas zu unternehmen, ist gering. Und Fotos wirken bei solchem Wetter einfach flau. Vielleicht gehe ich noch ins Konservendosenmuseum, wenn ich das bis 16:00 Uhr noch schaffe. Zumindest die Abfahrtzeit des Expressbootes nach Nedstrand muss ich in Erfahrung bringen. Dafür freue ich mich über das lange Läuten der Kirchenglocken, klingt wie Zuhause in Windischeschenbach.

Nun, in das Fischkonservenmuseum habe ich es geschafft, und mein Abendessen (Spaghetti in Lachs-Sahnesoße) mittels einer Fischdose verfeinert. Allerdings habe ich die Spaghetti wieder total versalzen... Stavanger ist nett, keine so Großstadtflair wie Oslo, keine massenhaften Attraktionen, sondern eine Kleinstadt mit vielen netten Geschäften und einem bewohten alte Holzhausstadtteil. Zudem ist der Campingplatz (90 NOK) nur 15 Gehminuten vom Zentrum um den Hafen entfernt. Allerdings habe ich heute auch keine Sonne (aber auch kein Regen), sondern der Himmel ist konstant hellgrau, von früh bis spät ohne erkennbare Änderung. Auf dem Heimweg vom Zentrum schlecke ich dann noch ein Eis (Marke "Gigant") - wie generell die Norweger, jung bis uralt.

Konservendosenmuseum (69k)



Mo 19.06.2000:
Stavanger bis Bergen
(116 km, 1114 Hm)

Höhenprofil Morgens von 7:10 bis 8:40 Uhr fahre ich mit einem "Hurtigbåt" nach Norden bis Vikedal. Das Boot fährt auf zwei "Kufen", in der Mitte und seitlich spritzt das Wasser. Außendeckplätze gibt es keine. Deswegen setze ich mich schnell hin, in Befürchtung eines Höllenrittes über die Wellen. Zuerst geht es ganz langsam den Hafen hinaus und dann? Ja, der Kapitän gibt Gas, aber der Bug steigt nur leicht himmelwärts und alles wackelt ein bißchen stärker. Beim Kaffeetrinken also aufpassen... Und nicht vor der Gischt am Fenster zusammmenschrecken, ist wie in der Autowaschstraße - abgesehen von den zurückbleibenden Salzflecken. Foto vom Boot gibt es keines, da Batterien im entscheidenden Moment leer...

Willkommen im "Küstennorwegen": Meer, sanfter und warmer Wind, satt grüne Wiesen, sanfte Straßensteigungen, kein Schnee. Über Ölen und Ölensvåg geht es nach Utbjoa. Auf dem kurzen Stück der E134 ist merklich schnellerer Verkehr, insbesondere Lastwägen und Busse auf doch schmaler Straße. Mir scheint, alle Straßen in Norwegen sind gleich breit, egal wie bedeutend oder abgelegen. Es gibt höchstens die drei Typen "einspurig befahrbar", "zweispurig befahrbar" und die Luxusversion "mit Mittelstreifen". Auf dem Rv543 wird es weniger Verkehr, wobei es in Ölsenvåg noch ein Zementwerk inkl. Fahrzeuge gibt.

In Utbjoa fährt die Fähre erst um 13:15 Uhr nach Skjersholmane (bei Leirvik), so dass ich noch Zeit für einen "Kulturstigen" habe, der hinter dem Hafen anfängt. Es ist ein Pfad über Stock- und Stein (in den Schlamm hinein, trallala...) zu ein paar einfachen Relikten aus grauer Vorzeit (Hügelgräber, Felszeichnungen) und bei gutem Tempo in einer Dreiviertelstunde zu schaffen.

Mit der gemütlichen kleinen Autofähre schippere ich auf die Insel Fitjar (Anmerkung: Fähre wird vermutlich 2001 wegen neuer Brücke oder Straße eingestellt) und fahre im einsetzenden Regen an der Westseite bis Sandvikvåg. Auch hier ist mehr Verkehr auf teilweise enger Straße, als ich bislang gewohnt bin. In Vik ist die Straße gesperrt, Umleitung auf einer Nebenstrecke.

In Sandvikvåg bekomme ich gleich eine Fähre nach Halhjem. Praktisch. So muss ich nicht im Regen warten und die Entscheidung treffen, ob ich vielleicht lieber die Fähre nach Husavik nehme und etwas westlicher über die Insel Huftaroy nach Bergen fahre. Ich freue mich über die geheizten Räume, den heißen Kaffee und ein Stück Kuchen. Denn ich bin durchgehend naß vom Schweiß oder Regen, von den Haaren bis zu den Zehen.

In Halhjem muss ich ein Stück auf der Hauptstraße E39 fahren, doch der Verkehr rollt meist schubweise, wenn eine neue Fähre anlegt. Nach einigen verwirrenden Fahrten auf Nebenstraßen bzw. Hauszufahrten bekomme ich von einem Anwohner die richtigen Hinweise für meine Fahrt nach Bergen:

Dösen, Richtung Hagavik, Richtung Ulvenleir, Lyseklosterruinen (finde ich ganz nett, auch bei Regen), Fana, am Kalandsvatnet nördlich bis zur E39, diese entlang auf Rad/Fußweg bis Kirkebirkeland. Von da auf ruhigen Wohngebietsstraßen über Dyngeland bis Helldal und weiter auf verstecktem Fußweg bis Grimen Camping.

Vor Fana steigt die Straße kräftig an, nicht umsonst heißt Fanaseter übersetzt "die Alm bei Fana". Und die Norweger heizen mit Auto, Lkw oder Bus die enge, kurvenreiche Straße rauf und runter. (Allerdings hat mich runterwärts keiner überholt...) Zudem herrschen durch die niedrige Wolkendecke stellenweise Sichtweiten von ca. 5 m, da fahren die Kfz auf einmal auch schön langsam.

In Kirkebirkeland komme ich zwei junge Buben ins Gespräch. Geht ganz gut, ich kann zwar nicht viel norwegisch, sie können kein englisch, aber zum Plündern meiner Keks-, Bonbon- und Knabbervorräte reicht es. Zudem gibt es lustige Bilder in meiner Digitalkamera anzuschauen: Wölfe, Hochlandrinder, mein Zelt, ein junger Hund. Hätte ich einen Satz Pokemon-Karten dabei, könnte ich mit den beiden eine Runde zocken.

Direkt in Bergen gibt es keinen Campingplatz mehr für Zelte. Der näheste Platz in Nesttun nimmt nur Wohnmobile oder Campingwägen auf, oder vermietet Hütten oder teure Appartments. Deswegen ist meine Entscheidung für Grimmen Camping genau richtig. Zwar etwas "gammlig" und unterhalb der tagsüber stark befahrenen Straße, aber billig (50 NOK). Auch der Platzwart ist gut drauf und abends sitze ich bei Tee mit Rum bei anderen Norwegenreisenden bis spät in der Nacht in einer warmen Hütte.

Ruinen des alten Lyseklosters (93k)



Di 20.06.2000:
Bergen Sightseeing
(34 km)

Heute scheint die Sonne! Vermutlich werde ich mir Bergen anschauen...

Resümee der kurzen Stadtbesichtigung: Netter Hafen, aber viel Verkehr bis dahin. Eigentlich wollte ich mit dem Bus in die Innenstadt (13 km), aber nach 10 Minuten vergeblicher Wartezeit am Bushalteschild habe ich doch das Rad genommen. Anscheinend fährt der Bus nicht immer halbstündlich.

Mein Streckenvorschlag: vom Grimes Camping auf verstecktem Fußpfad oder Seitenstraße entlang der (wenig befahrenen) Eisenbahnlinie parallel zur R580 stadteinwärts, an dem ersten Kreisverkehr rechts und über kurze enge Steilstufe ohne Fußweg durch eine Senke (besser eine andere Alternative probieren, evtl. näher stadteinwärts) zur Kreuzung mit der R585. Auf dieser rechts aufwärts, vorbei an der Stabkirche Fantoft und längere Zeit bis zu einem Krankenhaus an einem Hügel. Der Tunnel kann hangaufwärts über die Notaufnahme umfahren werden. Auf der Flöenbakken entlang der Ostseite des Sees Store Lungegårdsvann, auf der Lungegårdskaien über den zentralen Busbahnhof, am kleinen See Smålungeren immer der Nase nach in die Fußgängerzone Torgallmenningen und zum Hafen.

Bryggen in Bergen (71k)



Mi 21.06.2000:
Bergen, Knarvik, R565, Mangen, Vågenes Camping
(72 km)

Nachdem mir morgens etwas übel ist und das Wetter regnerisch (von Bergen habe ich nichts anderes erwartet) fahre ich erst gegen 14:00 Uhr los. Den Weg zum Hafen kenne ich schon, aber der Weg aus Bergen und seine Vororte nach Norden kostet mich sehr, sehr viel Energie. Vom Wechsel zwischen Nieselregen und Regenschauern, von vielen Steigungen, schnellem Verkehr, schwierig zu findenden Weg durch enge Seitenstraßen und einem nicht ausreichendem Stadtplan ist alles geboten. Ich versuche zwar den in den Büchern angegebenen Routen zu folgen, die Realität mit dem Wechsel zwischen Fußweg, stark befahrener Straße, Seitenstraße und unbekannte Ortsbeschilderung ist verwirrend und zermürbend. Trotzdem komme ich, langsam, aber ohne große Fehlfahrten, an die Brücke Nordhordlandsbrua nach Flatöy und Knarvik, wo mich ein Fahrrad- und Fußgängersperrschild empfängt und entmutigt. Glücklicherweise existiert auf der Westseite der Brücke ein Fußgänger- und Fahrradstreifen, zu dem unter der Brücke hindurch ein Weg führt.

Erst nach 50 km (3,5 Stunden) verlasse ich das verkehrsreiche Bergen-Gebiet (zugleich läßt auch der Regen nach) und fahre auf der breiten und später wenig befahrenen R565 nach Nordwest. Ein leichter Rückenwind treibt mich voran und meine Seele atmet auf, als ich auf dem Nebensträßchen durch Mangen zum Campingplatz in Vågenes finde. Mit einer warmen Dusche, einer einfachen Fertigmahlzeit aus der Tüte inmitten von viel ruhigem Grün und Blick aufs Meer lasse ich den Tag ausklingen.

Meine Empfehlung: wenn man, so wie ich, sowieso in den Sognefjord mit dem Expressboot fahren möchte, sollte man gleich in Bergen an Bord gehen und sich die Fahrstrecke aus Bergen sparen.

Nordhordlandsbrua (60k)

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