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Sognefjord bis Trollheimen (119k)

Abschnitt 5: Sognefjord, Jotunheimen, Geiranger, Molde, Trollheimen

Do 22.06.2000:
Vågenes Camping
(0 km)

Heute komme ich überhaupt nicht in die Gänge. Und als gegen Mittag leichte Regenschauer übers Land ziehen, lege ich heute einen Ruhetag ein, komplett ohne Action-Items. Als ich im Fahrplan entdecke, dass das Expressboot in den Sognefjord auch um 17:35 Uhr im nahen Fonnes anlegt, der Himmel nur bedeckt ist, bin ich kurz am wanken, ob ich heute noch aufbreche. Aber da ich Hunger habe, koche ich mir einen Berg Spaghetti und lasse den Fahrplan Fahrplan sein, auch auf die Gefahr, dass morgen das Boot ausgebucht ist. So gibt es erst Spaghetti mit gerößteten (bzw. eher gedünsteten) Zwiebeln, als zweiten Gang Spaghetti mit Haselnußschokolade (schmeckt nicht mal so schlecht).

Es ist heute sogar so warm (bis 20 Grad im Schatten, Sonne gibt es nur selten), dass ich meist im T-Shirt herumlaufe.

Eifrig studiere ich lange die Karten und lese in den Fahrradtourenbüchern, um meine weitere Strecke zu planen. Wie schon seit Tagen, denn jetzt habe ich kein konkretes nächstes Ziel, außer dass ich die Strecke durchs Jotunheimen radeln möchte. Ich möchte noch mehr von Norwegens Bergen erleben, bevor ich mich komplett auf das Küstenleben einstelle.

Vorläufige Streckenplanung: mit der Expressfähre tief in den Sognefjord hinein, von da nach Nordost durchs Jotunheimen bis Lom, nach West zum Geiranger und nach Nord über den Trollstiegen bis Åndalsnes. Ab da küstennah nach Norden. Alternative: von Lom weiter in den Bergen nach Osten bis Röros und von da nach Trondheim.

Gegen Abend schaue ich nach meinem Reifenprofil, worauf ich dann doch die Mäntel von Vorder- und Hinterrad wechsle. Den eingespeicherten Radumfang in meinen beiden Tachos ändere ich von bisher 2010 mm auf 2000 mm.

Ach ja, den Fahrradcomputer "HAC" von Cyclosport dichte ich mit Nahtdichter ab, nachdem mir dieser gestern abgesoffen ist. Mit dem Zeug klebe ich auch die abgegangenen Klettverschlüsse meines Sonnenschildes an meinem Fahrradhelm wieder an.

Meeresblick (31k)



Fr 23.06.2000:
Vågenes über Sognefjord bis Skjolden
(108 km, 750 Hm)

Höhenprofil In der Frühe packe ich das nasse Zelt ein und fahre zum "Snogbåtkai" von Fonnes, um um 9:00 Uhr mit dem Expressboot in den Sognefjord bis Leikanger (Ankunft kurz nach zwölf Uhr) zu fahren. Aus den schätzungsweise 20 km bis zum Snogbåtkai werden am Morgen doch 30 hügelige und lange Kilometer... In Reysidalsvika heißt es umsteigen, die ganzen "Norway in a Nutshell" Touristen und meinereiner.

Die Fahrt durch den Sognefjord muss bei Sonnenlicht wirklich wunderschön sein - denke ich mir bei meiner wolkengrauen Fahrt. Ich mag gar nicht aussteigen. Aber so kalt wie es scheint ist es draußen nicht. Die Sonne lacht kurz durch die Wolken, ich lache zurück und bald radle vor mich hinsummend im zunehmenden Sonnenlicht auf der R55 über Sognedal bis Solvorn und setzte mit der kleinen Fähre nach Urnes über. In Urnes steht (auf 100 Meter Höhe über dem Meer) die älteste Stabkirche von Norwegen.

Auf der R55 bis zur Abzweigung zu Solvorn herrscht manchmal schubweise starker Verkehr. Angst habe ich übrigens keine. Ich kenne das Risiko und bin bereit. Den ersten der drei Tunnels auf der R55 (nicht in der Cappelen-Karte eingezeichnet) kann man auf schmalen Fußpfad umfahren und das Fahrrad über die Leitplanke wuchten, beim zweiten stehen sogar Wegweiser für die Fahrradumfahrung und der dritte ist nur 70 Meter lang, wenn überhaupt.

Von Urnes rolle ich auf fast verkehrsfreier Straße nach Skjolden (Camping Nymoen Leirplass, 55 NOK). Durch drei (unbeleuhtete) Tunnels muss ich, 400, 1000 und 300 m lang. Mit ein bißchen Übung geht es recht gut, man muss sich am weißen Randstreifen orientieren, der ist auch das einzige was man sieht, abgesehen von Ein- und Ausfahrt. Ist wie kostenlos Geisterbahnfahren... Wenn da dein Licht ausfällt, bist Du echt arm dran.

Meinen T-Online Auslandszugang habe ich jetzt auch hingekriegt, dank Hilfe von Lappes. Ich habe nur bei der User-Kennung den Suffix "@t-online.de" vergessen.

Expressboot (48k) Stabkirche von Urnes (67k) Grubenlampe (64k)



Sa 24.06.2000:
von Skjolden am Jotunheimen vorbei bis kurz vor Lom
(70 km, 1614 Hm)

Höhenprofil Heute geht es auf die wohl höchste regulär befahrbare Straße (Paßhöhe von 1434 m) über das Sognefjell am Jotunheimen entlang. Der Anstieg ist auf 20 km verteilt, mit Steigungen von 7-10 Prozent. Morgens winken mir sogar die Linienbusfahrer und -fahrerinnen freundlich zu.

Aber alles nicht unmöglich, man muss sich seine Energien einteilen. Der Anstieg von Rjukan zum Gausta ist vergleichbar, nur nicht ganz so lang. Die Straße ist nicht ausgesetzt, (z.B. breites, grünes Trogtal nach Turtagrö) sowie meist nicht allzu eng und kurvig.

Wer einen großen Lkw mal etwas schwänzeln sehen möchte, kann sich aber in manch höheren Kurve auf die Lauer legen.

Von der Bergwelt Norwegens bin ich etwas enttäuscht. Zumindest optisch machen sie keinen besonderen Eindruck auf mich. Die Berge sind meist flachgeschlffene Hügel, das Ganze fleckig (Schnee mit braunen Löchern) wie einmal umgerührter Schoko-Mac. Die Gletscher erkennt man auch nicht so richtig, da alles recht verschneit ist. Der wilde Kaiser in den Alpen schaut um einiges interessanter aus. Aber vermutlich sehen die norwegischen Berge im Herbst besser aus, oder man muss näher hingehen. Zum Wandern sollte es aber ein optimales Gelände sein.

Gestern habe ich übrigens wieder einen weiteren Radtouristen gesehen und heute einen Holländer, der die Strecke mit einem Rad mit Dreigang-Schaltung fährt/schiebt. Uff.

Der Campingplatz Grysli nähe Sulheim hat guten Blick zum Jotunheimen, einfache Ausstattung und ist eigentlich noch geschlossen. Nachdem aber warmes Wasser aus dem Wasserhahn fließt, der Rasen gemäht ist und andere (private) Gäste da sind, bin ich mir anfangs nicht so ganz sicher ob der Platz wirklich geschlossen ist und habe ich mich trotzdem hingemogelt und kann bis morgen bleiben (50 NOK).

Blick auf Fortun (68k) Jotunheimen (50k) 1400 m (69k)



So 25.06.2000:
Lom bis vor Grotli
(65 km, 462 Hm)

Höhenprofil Im Nieselregen geht es morgens durch Lom und auf der E15 durch das leicht ansteigende breite Ottadalen bis zu einem Campingplatz kurz vor Grotli (Stuttgången Seter, am westlichen Ende vom Vuluvatnet; sogar mit Wiese!; sogar geöffnet, aber nichts los; 75 NOK). Da es eine recht einfache Strecke ist bin ich schon gegen Mittag an diesem Platz. Wetter, Kälte, zunehmender Verkehr und Weiterfahr-Unlust überreden mich zum frühen Feierabend. Nach einer extra langen heißen Dusche, leckerem Milchreis, Schokolade und Kaffee fallen mir nachmittags die Augen zu und ich schlafe ein Weilchen.

Am Spätnachmittag weckt mich lautes Rasseln - ein kleiner Junge rumpelt mit seinem Trett-Traktor mit Gülle-Anhänger um mein Zelt. Die nächste Stunde verbringe ich mit Spielen und vom Herrumschieben wird mir zumindest schön warm. Immerhin gibt es heute keine Sonne zu sehen, die Temperatur bewegt sich tagsüber um windige 10 Grad, abends bis 5 Grad.

Dannach flicke ich wieder mal meine Socken und sitze bis abends über die Planung meiner weiteren Tour. Eigentlich habe ich heute vormittag fast beschlossen, den Geiranger zu meiden. Zuviele Wohnmobile ("dicke Albinokarnickel", aber nichts für ungut, liebe, nette Wohnmobilisten) sind mir heute begegnet oder haben mich überholt. Meist mit deutschem Kennzeichen.

Die breite Straße ist gut und sicher zu fahren, nur nicht schön ruhig... Morgens um 9:00 Uhr ging es noch einigermassen, mittags und nachmittags ist es mehr Verkehr; Autos, Wohnmobile, Motorräder, Busse, Lkws. Drei Stunden reichen mir heute.

Das mir manche entgegenkommende (norwegische) Autofahrer kurz zuhupen, macht mich etwas nervös. Das mir die Leute auf den steilen Pässen zuwinken, bin ich ja gewohnt. Nachdem mir aber auch auf einem Parkplatz von der Straße aus zugehupt wird, nehme ich es als Zeichen der Bewunderung auf. Obwohl die Straße nicht sonderlich steil ist. Vielleicht ist auch der Weg zum Geiranger gesperrt...

Campingplatz (62k)



Mo 26.06.2000:
Grotli über Geiranger und Örneveien nach Valldall
(84 km, 1134 Hm)

Höhenprofil Bald hinter Grotli geht es weiter leicht aufwärts in einer winterweißen Landschaft. Da könnte der Nikolaus fast sein sein Sommerquartier haben. Allerdings ist es heute wieder trübe.

Nachdem ich das Gefühl habe, von morgenmüden Kfz-Fahrer nicht so richtig wahrgenommen werde, wechsle ich meine grüne Regenjacke mit meiner knallroten Windstopperjacke, welche auch etwas wärmer ist. (Nur ist sie nicht regenoptimal, was ich später noch zu fühlen bekomme.) Beim letzten Stück zum Paß und der Djupvasshytta fahre ich an meterhohen Schneewänden und dem zugefrorenen Djupvatnet (1017 m ü.d.M.) vorbei, im Nieselregen. Ich wünsche mir, dass es wenigstens richtig schneit - damit ich was zum erzählen hätte. Aber nein, bei 5 Grad gibt es nur kühle Regentropfen. Hinter der Djupvasshytta stürze ich mich in den aufliegenden Wolken und Nieselpieselwetter abwärts zum Geirangerfjord. Zum erstenmal auf dieser Tour klappern mir die Zähne und mir ist echt kalt. Ich gebe zu, mit meinem trockenem Wollfaserpelz oben untendrunter und der Regenhose unten obendrüber wäre mir nicht gar so kalt in meinen nassen Klamotten, aber zum An- oder Umziehen sind die Finger zu klamm. Zumal es bald aufwärts geht.

Zu einem kurzen Fotostopp über dem Geirangerfjord habe ich gerade noch Zeit, und schon sause ich fröstelnd durch das Örtchen Geiranger und ziehe erst bei der zweiten Kehre aufwärts auf dem gegenüberliegenden Örneveien ("Adlerweg") zuerst die Bremsen an, und dann die obere Regenjacke wieder aus. Zumal sich die meisten aktiven Regenwolken um die Djupvasshytta versammelt haben und der Rest recht regenfrei ist.

Übrigens haben mir am Örneveien die bislang meisten Leute zugewunken oder den Daumen nach oben gehalten, vom Straßenrand oder aus dem Kfz. Sind ja alle gutgelaunt im Urlaub. Meist nicke ich nur recht freundlich, da ich beim Zurückwinken bergauf zu leicht den Lenker verreiße.

Diese Ecke muss echt versifft sein, dem Moos, den Flechten und der Schneehöhe nach zu urteilen. Dafür ist es in der Gegend um Lom meist recht trocken, so das dort ggf. die Felder bewässert werden.

Vielleicht regnet es heute besonders viel um der Djupvasshytta, da sie heute ein Stopp der Oldtimer-Tour "The 2000 Miles Trail, 1900-2000" mit ca. hundert Fahrzeugen ist. Die Tour mit internationaler Besatzung beginnt in den Niederlanden und führt durch Berlin, Polen, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark. (Wie ich später in einem Gespräch mit dem Truckerfahrer des Autotransporters für defekte Fahrzeuge erfahre - im trockenem und wärmeren Sylte.)

Nach einiger weiterer Ratscherei mit zwei Würzburger Motorradfahrern wird es zu spät, um den Trollstiegen noch zu überklettern. Bei Sonne wäre es kein Problem, aber so habe ich heute keine Lust auf weiteren Regen und Schnee und beende meine Tagestour auf dem kleinen Campingplatz "Gjerde Camping" im Valldal, zu einem sensationellen Preis von 30 NOK. Vermutlich, weil sich hier die vielen Campingplätze etwas Konkurrenz machen, oder weil die (teilweise massenhaften) Dauercamper schon einen Teil abzahlen. Nur von Lom nach Westen habe ich bislang in Norwegen so viele Campingplätze in einer Gegend gesehen.

Nachdem die meisten Campingwägen auf den Campingplätzen normale Vorzelte haben, keine stabilen "Holzvorhütten" wie in Tunhovd, fällt hier wohl wenig Schnee oder es sind reine Sommerwochenendcamper.

Mich hat jemand gefragt, ob ich denn schon Mitternachtssonne hätte. Kann ich nur verneinen; ich wäre schon um etwas Mittagssonne dankbar... Nachts wird es aber schon nicht finster, der Himmel wechselt nur von hellgrau nach dunkelgrau. Chancen auf echte Mitternachtssonne hat man aber erst ab dem Polarkreis, wovon ich noch etwa drei Wochen mit dem Fahrrad entfernt bin.

Das dritte Tagesfoto zeigt meine Moltebeerenmarmelade. Die gibt es nur in Norwegen, die Moltebeeren sind reich an Vitamin C. Die Beeren sehen aus wie orange Brombeeren, haben auch die gleichen kleinen Kernchen und schmecken leicht säuerlich durch den Marmeladenzucker. Mir schmeckt sie.

am Breidalsvatn (74k) Geirangerfjord (55k) 560 g Moltebeerenmarmelade (67k)



Di 27.06.2000:
Gjerde Camping im Valldal
(0 km, 0 Hm)

Heute nieselt es leicht, aber beständig, vor sich hin. Der Weg zum Trollstigen (Scheitelpunkt auf 850 m) ist in Wolken gehüllt. Also bleibe ich im gemütlich trockenem Zelt. Zumal ab morgen das Wetter besser werden soll.

Tourentage im Dauerregen oder geschlossener Wolkendecke sind fast verlorene Tage. Man kommt zwar vorwärts, die Landschaft zieht aber trübe vorbei und ist bald vergessen. Zu Abstechern zu Fuß oder mit dem Rad kommt erst gar keine Lust auf.

Der nette Campingvermieter hofft aber, dass ab morgen besseres Wetter aufzieht. So wie es im Wetterbericht der Zeitung Aftenposten schon vor einer Woche stand. Ja wirklich, eine ganze Woche Regen wurde damals vorhergesagt - und es war ja auch eine regenreiche Woche. Ich bin sehr, sehr dankbar, das der halbe Tag für die anstrengende Überquerung des Sognefjells trocken und etwas sonnig war.



Mi 28.06.2000:
Valldal, Trollstigen, Åndalsnes, Isfjorden bis hinter Torvik
(68 km, 1015 Hm)

Höhenprofil Heute nieselt es leicht, aber beständig, vor sich hin. Der Weg zum Trollstigen (Scheitelpunkt auf 850 m) ist in Wolken... Naja, der gleiche Text wie gestern.

Ernähre mich von Moltebeerenmarmelade und Kaffee. Campinggasdose ist fast leer - vorgestern beim Einkauf vergessen. Deswegen nutze ich das Warmwasser in der kleinen Campingplatzküche. Zum Glück muss man Instant-Kaffee nicht überbrühen.

Ich sitze zudem im Funkloch. Nicht mal SMSs gehen heute raus, geschweige denn Anrufe oder Datenverbindugen. Aber ich habe neue Batterien für meinen kleinen Computer (läuft mit zwei normalen Mignon-Batterien ca. 15-18 Stunden) gekauft, so dass ich stundenlang an meiner Auswertesoftware für meinen Fahrradtacho HAC weiter programmieren kann.

Der ist jetzt übrigens gut regendicht, seitdem ich den Glasrand mit Nahtdichter abgedichtet habe. Ein Manko hat das Gerät: Man muss zwischen Tacho und Halter am Lenker ein bißchen unterlegen (links ein dreifach zusammengelegtes Isolierband, rechts ein zweifaches Mentos-Bonbonpapier), sonst gibt es keine Fahrdaten. Vermutlich verbiegt sich der Halter durch die Verschraubung am Lenker zu stark.

Nervig ist nur, dass das Ganze noch nicht 100% zuverlässig funktioniert und ich immer wieder etwas an dem untergelegten Papier schieben oder ziehen muss. Auch sitzt der Tacho nicht sehr sicher auf dem Halter. (Habe deswegen letztes Jahr meinen ersten HAC im Eschenlainetal bei Garmisch verloren, ca. 300 DM einfach futsch.)

Deswegen habe ich einen zweiten, einfachen Tacho (Sigma BC 800) dabei. Der funktioniert 100% und bei jedem Wetter. (Das ist die Antwort für diejenigen, die wissen wollen, warum ich zwei Tachos montiert habe, siehe Foto im Abschnitt 1.)

Langweilig wird mir nicht. Ich kann Stunden mit dem Studium der Landkarten und den beiden Fahrradreiseführern verbringen. Oder mit meinem norwegischen Comicbuch ("Skrue Pocket - Gullörreten") etwas norwegisch lernen. Zum Glück habe ich das kleine, sehr nützliche Wörterbuch von Susanne dabei. Da kann man auch die interessanten Texte auf der Rückseite von "Kvikk Lunsj" (norwegische Version von KitKat) besser verstehen.

Nur drängt sich immer wieder die Frage auf: Was, wenn es nie wieder aufhört zu regnen? Den Anschein hat es ja.... Ich sitze echt im/unter dem Wolkenstau vor dem Trollstigen. Vielleicht ist es im nächsten Tal trocken und sonnig warm... Hingegen steigt hier das Wasser im Gras immer höher.

Mit Spannung beobachte ich ständig jede kleine Höhenänderung auf meinen Höhenmesser, aber der Luftdruck schwankt nur sehr gering und ohne eindeutige Tendenz. Die Temperatur steigt von morgens 8 Grad auf 15 Grad am späten Vormittag (im Zelt, draußen ist es aber nicht viel kälter). Der leichte Morgenwind läßt nach.

Gegen 10:00 Uhr morgens hört es auf zu regnen. Wann gibt es Sonne? Wie dicht sind die Wolken am Trollstigen? Ein Teil der Wolken hängt seit Tagen generell an den umliegenen Hängen. Entweder in netten Wolkenbändern, wie Watte um den Weihnachtsbaum, oder als diffuse, graue Verbindung zur geschlossenen, höherliegenden Wolkendecke.

Gegen 13:30 Uhr fahre ich das lange Meierdalen zum Trollstigen hinauf. Wie schon morgens kurz zwischen den Wolken gesehen, liegt ab 500 m ü.d.M. frischer Neuschnee neben der Straße. Da muss ich gestern echt was verpasst haben. Aber zumindest gefällt es mir, durch die winterlich verschneite Landschaft leicht bergauf zu rollen. Wenn ich zu zweit wäre, könnte man sich eine Schneeballschlacht gönnen. Mich selber bewerfen macht keinen Spaß. :-( Zum Schneemannbauen ist es mir, ehrlich gesagt, zu feuchtkalt und zu finster. Zumindest komme ich dann aus dem Tritt und es ist schon spätnachmittag, mitten in der Tour. Und Schneemannfotos werden bei dem grauen Wolken auch nichts.

Oben am Trollstigen mache ich ein paar graue "Fotos für die Homepage". Die Abfahrt über die langen Kehren macht richtig Laune, zumal die Kurven trocken sind. (Den Trollstigen würde ich tagsüber ungern hinauffahren, nicht weil er zu steil ist, nein, zuviel Besucher-Verkehr. Auf meiner Auffahrtsstrecke ist bedeutend weniger los.)

In Åndalsnes kaufe ich kräftig ein, auch eine neue Gaskartusche von der Tankstelle. Zufrieden rolle ich am Fjord entlang, der Duft von Lupienien steigt mir in die Nase, interessante norwegische Häuser, Hütten, Scheunen, Gärten, der Fjord... (Tipp: von Isfjorden die kleine, meist ungeteerte Straße parallel und oberhalb zur R64 fahren.)

Hinter einer kleinen Steigung bei Torvik (zwei sehr kurze Tunnel, einer kann auch gut auf dem altem Weg umfahren werden) lande ich auf einem einfachen Campingplatz an einem kleinen See (75 NOK). Zum Abendessen mache ich einen großen Topf Röme-Gröt. Dazu frischen Kirschjoghurt und den Rest meiner Moltebeerenmarmelade. Hmmm.

Wie mähen Norweger ihren Rasen? Sie binden ein Seil an den Rasenmäher und lassen ihn den Hang hinab. Heute so gesehen...

Was fällt mir zum Stichwort "Sonne"? Nur das orange, kuschelige Ding, mit dem mein kleiner Neffe jeden Abend ins Bett geht. Hier in Norwegen gibt es keine Sonne mehr. Nur grau, hellgrau, mittelgrau, dunkelgrau, schneegrau, allesgrau und nassgrau.

Neuschneesspuren (38k) Trollstigen (71k)



Do 29.06.2000:
Molde, Trollkyrkja, Nosvatnet
(61 km, xxx Hm)

Höhenprofil Höhenprofil Höhenprofil Morgens scheint das kleine, kuschelige, orange Ding von 7:00 bis 8:34 Uhr kräftig vom Himmel, dann ist es wieder grau.

Der Tunnel auf der R64 unter dem Fjord nach Molde ist für Radfahrer gesperrt. Er ist zwar beleuchtet, aber knapp 3 km lang und teilweise recht steil sowie mit mäßig schnellem Verkehr. Und am besetzten Mauthäuschen wollte ich mich auch nicht vorbeimogeln. Also warte ich auf den Bus, der mich für 45 Kronen mitnimmt. Mein Fahrrad kommt unten in eines der geräumigen Gepäckfächer - man tut sich leichter, wenn man die Taschen abnimmt.

Auf dem weiteren Weg auf der R64 herrscht nachmittags reger Verkehr.

Die Grotte "Trollkyrkja" ist faszinierend. Dichte Stiefel, Stirnlampe und Regenkleidung braucht man aber schon. Der Weg hinauf ist aber steinig und z.Zt. recht matschig. Und dann tastet man sich im unterirdischen Bachlauf 70 m vorwärts bis zum tageshellen Wasserfall am Ende. Weiter oben gibt es eine weitere Grotte mit einem zweiten Wasserfall.

Der kleine Campingplatz am Nosvatnet (50 NOK) ist für's Zelten nicht optimal. Es gibt zwar einen kleinen, grünen, schiefen Rasen, aber der ist keine 10 m neben und unterhalb der (wenig, aber doch befahrenen) Schotterstraße. Hört sich im Zelt an, als würde man gleich plattgewalzt... Besser, man schlägt sich sonstwo in die Büsche. (Oder nimmt eine Hütte.) Aber zumindest kann ich meine Akkus für die Digitalkamera wieder aufladen.

Trollkyrkja (32k)



Fr 30.06.2000:
Nosvatnet, E39, R65, Baeverfjord (vor Surnadalsöra)
(77 km, 823 Hm)

Höhenprofil Das Wetter wird besser. Nachmittags brennt die Sonne vom Himmel, bis zu 25-29 Grad wird es warm. Das nutze ich für meinen ersten großen Waschtag für die Wäsche und Trockentag für den Rest - Zelt und Regenkleidung. Zumal auf dem mittelgroßen Campingplatz (50 NOK; schöne Zeltwiese, zu finden hinter den vielen Hütten) alles vorhanden ist. Bislang habe ich meist nur Einzelteile gewaschen, dann ist am nächsten Morgen nicht alles feucht...

Vielleicht hat sich der eine oder andere Gedanken darüber gemacht, warum ich auf den Bildern immer die gleichen Sachen anhabe. Naja, ich habe zwar eine komplette Reserveausstattung eingepackt dabei (im "Kompressionssack"), aber bevor zuviele Klamotten in irgendwelchen Benutzungszuständen herumliegen bzw. beim Packen nerven, wasche ich T-Shirt, Radlhose oder Socken gleich und hoffe, dass sie über Nacht halbwegs trocken werden. Bei der Kunstfaserbekleidung keine Hexerei.

Bei den Socken schwöre ich trotzdem auf Baumwolle, da Kunstfasersocken sich schon nach einem Tag recht platt sein können und kräftig muffeln. Baumwolle ist länger flauschig, außer man fährt eine zeitlang mit patschnassen Socken.

Die Befürchtung, dass meine Schuhe (stabile Kunstfaserwanderstiefel mit Tecni-Dry-Membran) total immer mehr das Stinken anfangen, hat sich nicht bewahrheitet. Der Geruch hat sich auf einem recht erträglichen Level eingependelt. Mit Kunstfasersocken würde das wohl anders sein (wie damals vor zwei Jahren...). Wenn es richtig kalt werden sollte, dann sind dicke Norweger-Wollsocken am Besten (meine Wintererfahrung).

Zur Tour: Wenn ich heute Morgen intensiver auf die Karte geschaut hätte, wäre ich gerne etwas weiter nördlich über Kristiansund gefahren. Auf dieser Strecke fährt man auf dem "Atlanterhavsveien", einem Brückenweg von 9 Kilometern Länge, dem Atlantik näher als dem Festland.

Zur Verkehrsdichte: auf einer wenig befahrenen Nebenstraße habe ich auf 20 km und 1,25 Stunden 31 Fahrzeuge (in beiden Richtungen) gezählt. Davon 7 Lastwägen, ein Motorradfahrer und ein Traktor. Auf dem heutigen Stück der E39 oder der R65 ist etwas mehr los, aber nicht übermäßig viel. Und im weiteren Verlauf nach Norden wird es immer weniger Verkehr. Übrigens sind die meisten der wenigen Wohnmobile, die ich heute sehe, norwegisch.

Apropo Kfz-Verkehr. Die norwegischen Nummernschilder haben zwei Anfangsbuchstaben, alphabetisch je nach Region von Süd nach Nord. So erkennt man den innernorwegischen Urlaubsverkehr. Mittlerweile bin ich bei "U.". Oslo hat DA-FR, HS-JB Lillehammer, PN-PV Kristianssand, RE-SB Stavanger, SC-SL Bergen, VD-XC Trondheim, der Rest Y. und Z. verteilt sich nordwärts. Man sieht, hinter Trondheim beginnt schon "Ultima Thule".

Landschaft (48k) Waschtag (70k)



Sa 01.07.2000:
Ruhetag am Baeverfjord (vor Surnadalsöra)
(0 km, 0 Hm)

Ich muss mich erst an die anhaltende Hitzewelle gewöhnen. Heute Ruhetag; einziges Highlight: eine Rieseneiswaffel. Könnte glatt länger hier faulenzen - viele andere Hüttenurlauber machen das ja auch.



So 02.07.2000:
Baeverfjord, Surnadalsöra, Rindal, Å, Jerpstad
(81 km, 1080 Hm)

Höhenprofil Ein herrlicher Sommertag, die Bäche am Hang glitzern durch den Wald, die Blumen und Gräser wippen im Wind, die Dinge habe ihren Schatten wieder, Regenschauer und Sonnenmix am Nachmitag. Die großen touristischen Attraktionen liegen hinter mir, jetzt kommt das nichts Besondere.

Auf dem drittklassigen Campingplatz in Jerpstad fressen mich die Mücken und Beissfliegen, als ich beim linken Pedalhaken eine verlorene Schraube ersetze und größere Unterlegscheiben anbringe.

Am meisten bin ich heute von der angenacksten Butterdose überrascht. Die äußere Hülle ist aus stabilen Aluminium, bei der inneren Kunststoffschale sind aber zwei Füsschen nach innen durchgebrochen. Ich hatte doch heute nur meine Kekse oberhalb der Dose eingepackt... Vermutlich ist es aber am Donnerstag passiert, als mein angelehntes Fahrrad kopfüber in den Graben abgekippt ist. Beim Herauswuchten habe ich mir übrigens das große Kettenblatt in den Oberschenkel gerammt. Aua.

Straße in Landschaft (65k)



Mo 03.07.2000:
Jerpstad, Nerskogen, Skarvatn, Gjevilvatn, Festa
(61 km, 913 Hm)

Höhenprofil Morgens Nieselregen. Nach dem Batteriewechsel macht heute morgen mein kleiner Computer einen kompletten Kaltstart. Da das "C-Laufwerk" nur eine RAM-Disk ist, sind erst einmal alle Daten und Programme weg. Natürlich habe ich vorgesorgt und die entsprechenden Installationsdateien auf Compact-Flash-Karte dabei. Die wichtigsten Texte, Daten und informationen habe ich auch regelmäßig auf meinen diversen FlashCards verteilt, so dass das System schnell wieder installiert ist. Nur bei der Internetkonfiguration habe ich etwas geschludert und muss etwas mehr Arbeit investieren. (Und ein Telefonat mit meiner Schwester, die inzwischen meine Wohnung als Ferienwohnung nutzt - dafür räumt sie auch auf und renoviert.)

Gegen Mittag läßt der Regen nach und ich gehe auf Tour. Auf dem Weg zur Ortschaft Nerskogen (mit Supermarkt!) begegnen mir viele Grüppchen von Schafen. Erst schauen sie mich ruhig an, um dann, wenn ich näherkomme, wie vom Teufel gehetzt die Straße entlangzulaufen und 50 Meter weiter auf mich zu warten. Das Spielchen wiederholt sich ein paar mal, bis das Leitschaf endlich in die Büsche springt.

Vom Trollheimen, das ich mittlerweile halb umrundet habe, sehe ich erst am Gjevilvatn etwas mehr. Das Boot für die Seerundfahrt wird gerade renoviert. Das wäre sonst bestimmt eine tolle Sache.

Im Campingplatz Breesgård (der zweite östlich der Kreuzung mit R70; Preis: 60 NOK) bewundere ich die bisher bestgefliesten Sanitäranlagen. Eine extra Zeltwiese gibt es diesmal nicht, aber einen langen grünen Wohnmobilterrassenplatz neben dem Spielplatz. Zum Glück mag ich Kinder... Übrigens empfinden die Norweger das Wetter der letzten Wochen auch sehr regnerisch und kalt. Da bin ich aber froh.

bei Nerskogen (73k) am Gjevilvatn (49k)

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