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Heimreise (113k)

Abschnitt 9: Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland - Heimreise

So 30.07.2000:
Norwegen: Kråkberget, Sortland, Richtung Narvik Schweden: Abisko, Jokkmokk
(viele Autokilometer)

Bei dem bedeckten Himmel fällt der Aufbruch und das Ende des meiner Norwegenferien nicht so schwer. Mein Ziel, Fahrradferien in Norwegen, habe ich voll erreicht. Das geografische Endziel, das nahe Andenes, ist nicht wichtig. Schon in den letzen Tagen plane ich mehr an der Rückreise als an weiteren neuen Zielen. Schließlich soll meine Reise auch ein Ende haben, mich erwarten zu Hause liebe Menschen, und zeitlich werde ich mit den noch kommenden Rückradltagen in Deutschland auch auf die veranschlagten drei Monate kommen. Das herrliche Wetter der letzten Tage war auch ein wundervoller Abschluß.

In Schweden erwarten uns Mücken, endlose Wälder, verkehrsruhige Straßen und Rentiere auf der Fahrbahn.



Mo 31.07.2000:
Schweden
(viele Autokilometer)

In Schweden nach Süden.



Di 01.08.2000:
von Schweden über Helsingborg/Helsingør nach Dänemark
(viele Autokilometer)

Viele Autokilometer. Übernachtung neben der Mülltonne. :-)

Fährhafen Helsingør (57k)



Mi 02.08.2000:
von Dänemark über Rødbyhavn/Puttgarden bis Hannover
(einige Autokilometer, 25 km mit dem Fahrrad, 70 Hm)

Höhenprofil Nach der Ankunft in Deutschland plündert Astrid die erstbeste Bäckerei. Das waren die leckersten knusprigsten Semmeln, die ich seit Monaten gegessen habe. Hmmm.

Seit der Heimreise von den Vesterålen vor drei Tagen sind knapp 3000 km am Autofenster verbeigerollt. In Hannover trennen sich nun leider die Wege unserer Fahrgemeinschaft. Ich radle zum Expo-Campingplatz, Gerd, Astrid und Samira Richtung fahren Richtung Frankfurt, Thobias Richtung Osnabruck.

In einer Tankstelle kaufe ich eine Radwanderkarte und einen Stadtplan, denn meine eigenen Karten habe ich vor langer Zeit in Kiel nach Hause geschickt, um Gewicht und Platz zu sparen. Der Stadtplan ist so neu, dass schon Straßen eingezeichnet sind, die gerade mal mit Vermessungspflöcken abgesteckt sind. Abgesehen davon kann man in Hannover gut auf Parkwegen oder ruhigen Nebenstraßen radeln - so wie in München denke ich mir, nur mit weniger Verkehr. Die Hauptstraße im Ortsteil Laatze wurde umbenannt, zum Glück sind aber die alten Straßennamensschilder noch vorhanden.

Kurz vor dem Messegelände gibt es eine kleine Pause, Richard der V. geht in Ruhestand. (Für meine Diagonalleser: die gerissenen Speichen bekommen Namen.) Falls jemand behauptet, ich solle die Finger von den Speichen lassen - die lockern sich teilweise von selber.

Kommentare zum gut gefüllten Expo-Campingplatz (Festplatz in Laatzen, wenige Gehminuten zum West-Eingang): billige Plätze im Schuttloch (20 DM), teuere Plätze (50-70 DM) auf den Rasenplätzen. Nach Einbruch der Nacht herrscht hier weniger Ruhe als auf dem Autobahnrastplatz gestern nacht - viele Menschen gehen auf dem Kiesweg vorbei, Kinder rennen herum, der Nachbar läßt dröhnende Furze durch die Gegend schallen, ein Grüppchen schäckert herum, die Eisenbahn rumpelt vorbei, ein Hubschrauber schraubt, eine Polizeisirene heult.

Weitere Campingplätze sind am Birkensee (ca. 5 km südöstlich von der Expo), im Ortsteil Arnum/Hemmingen (ca. 5 km südwestlich) und nördlich vom Ortsteil Altwarmbüchen/Isernhagen (ca. 14 km Luftlinie nordnordwest, ca. 20 km mit Rad). Und es gibt direkt am Westeingang einen großen Stell-/Campingplatz.



Do 03.08.2000:
EXPO 2000 in Hannover
(0 km)

Man kann sich auf der EXPO ein paar schöne Tage machen. Sie ist eine Mischung von Oktoberfest, Systems, Möbelhaus und Tollwood. Der größte Wermutstropfen sind die Wartezeiten vor manchen beliebteten Hallen (bis zu 90 Minuten je Halle).

Heute abend ist es ruhiger auf dem Campingplatz.

Expo 2000 (82k)



Fr 04.08.2000:
Hannover nach Messenkamp
(48 km, 292 Hm)

Höhenprofil In einer Buchhandlung in der Bahnhofstraße finde ich alle nötigen Landkarten für die Weiterreise. Dannach geht es zu Besuch nach Messenkamp.

Sigurd der VI. verliert den Kopf.



Sa 05.08.2000:
Messenkamp bis Polle
(69 km, 243 Hm)

Höhenprofil Auf Fahrradwegen und ruhigen Nebenstraßen radle ich gemütlich bis Hagenohsen. Von da ab bin ich auf dem (teileise schmalen) Weserradweg und fahre bis Polle. Auf dem Weserradweg bin ich zu Beginn meiner Reise nach Norden gefahren, jetzt werde ich wohl nach Süden bis Bischofsheim a.d. Rhön rollen.



So 06.08.2000:
Polle bis Hann. Münden
(94 km, 242 Hm)

Höhenprofil Auf den schmalen Rad- und Fußwegen entlang der Weser ist der stärkere Gegenverkehr manchmal nervig. Mir fällt auf, das von den Sonntagsfahrern fast keiner einen Helm trägt. Im Gegensatz zu Norwegen, wo fast alle fahrradfahrenden Norweger einen Helm auf dem Kopf haben, sogar die älteren Omas.



Mo 07.08.2000:
Hann. Münden bis Eschwege
(60 km, 182 Hm)

Höhenprofil Nach einigen Überlegungen habe ich beschlossen, nicht an der Fulda, sondern an der Werra nach Süden zu fahren. Der Fahrt auf dem Werratal-Radweg ist wirklich herrlich, besser als der überlaufene Weser-Radweg oder der Main-Donau-Kanal. Er führt meist auf guten, kraftfahrzeugfreien Wegelchen von Hann. Münden, am Zusammenfluß von Fulda und Werra, bis zu den beiden Quellen im Thüringer Wald.

Der Werratal-Radweg ist sehr gut beschildert, viele Bänke und Raststellen laden zum Verweilen und Picknicken ein. Nur in Bad Sooden-Allendorf wird man entgegen den Einbahnstraßen durch den Stadtkern geführt.

Der Radweg ist auf niedersächsischem und hessischem Gebiet fast durchgehend geteert. Leider geht damit auch etwas von dem Naturgefühl verloren, Sandwege wären passender. Dafür kann man die Strecke wohl auch mit einem Rollstuhl oder Inline-Skates befahren.

Viele Obstbäume stehen am Wegesrand, Äpfel, Birnen, Zwetschgen. Leider sind die meisten Früchte noch nicht ganz reif - aber sauer macht lustig.

Man sieht manchmal die Bundesstraße und die Bahnlinie auf der anderen Uferseite. Ob man das Werratal vom Autofenster aus geniessen kann? So zwischen den Lkws, immer auf der Suche nach einer sicheren Überholmöglichkeit. Ob man vom Zugfenster das Rascheln des Windes im Maisfeld oder das Knistern der reifen Getreideähren in der Sonne hört? Oder einem der Duft der Heckenrosen in die Nase steigt? Oder die Birnen so tief hängen, dass man nur den Mund aufmachen muss? :-)

Bei dem kleinen Dorf Lindewerra kann man die Geschichte einer kleinen Weserbrücke nachlesen. Vom Bau um 1904, der Sprengung beim Rückzug der Wehrmacht (1945), dem verhinderten Wiederaufbau - die Werra war hier Grenzfluß zwischen Ost- und Westdeutschland - und der gelungenen Restauration (1995).

Blick auf Hedemünden (70k) Birnen (107k)



Di 08.08.2000:
Eschwege bis Heringen/Werra
(88 km, 296 Hm)

Höhenprofil "Morgenrot, schlechtes Wetter droht" - dieser Spruch stimmt. Anstatt eines Sonnenaufgangs gab es nur kurz Morgenröte, die dann von dichten Wolken verdeckt wurde. Nachfolgend leichter Regen. Und dann bin ich wieder eingeschlafen.

Fast hätte ich den Verkaufswagen der "Bäckerei Wolf" verpennt. Aber zum Glück steht er um neun Uhr noch da. Zum Ausgleich kaufe ich einen Berg süßer Teilchen und ein Brot. Die Dinger sind zwar von gestern, wie ich bald feststelle, aber der Tag ist gerettet, denn heute werde ich nicht verhungern.

Nur bei meinem Wunsch nach Semmeln ernte ich ein fragendes Gesicht. Aber das schnell hinterhergeschobene Zauberwörtchen "Brötchen" löst die Spannung. So kann es einem gehen, wenn man halb schlaftrunken in einem fremden Land zum Bäcker eilt. (Die Brötchen sind aber richtig knusprig frisch.)

Am späten Nachmittag hört der Regen auf. Schade, es wird also kein gemütlicher Regentag im Zelt. Stattdessen fahre ich weiter die Werra entang. In Thüringen ist fast jeder Ort eine Baustelle, die Straßen zum Teil unangenehm: rauhes Kopfsteinpflaster und schmale Betonplatten. Am Besten sind noch die Wiesenstraßen oder der Single-Trail hinter Mihla. Dafür sind die Menschen umso gesprächiger.

In manchen Orten denke ich, so müssen die Städchen überall ausgesehen haben, als meine Oma noch jung war.



Mi 09.08.2000:
Heringen, Meiningen, Henfstädt
(104 km, 447 Hm)

Höhenprofil Heute geht es weiter auf abwechslungsreichen Straßen. Theodor der VII. bleibt auf der Strecke.

In Untermaßfeld gibt es kein Zeltplatz, ADFC-Karte und Werratal-Führer irren sich. Der einzige Campingplatz, der mir seit Heringen aufgefallen ist, ist bei den Teichen bei Immelborn. Aber in Wasungen sollte es auch noch einen kleinen gegeben haben. Deswegen quartiere ich mich in Henfstädt im netten Hotel Pension im Werratal ein und geniesse Essen und Unterkunft. Nur wegen meinem eingepackten, patschnassen Zelt mache ich mir später ein paar Sorgen - das wird morgen ganz schön muffeln.

Kaliwerk Hattorf, bei Philippsthal (63k)



Do 10.08.2000:
Henfstädt, Hildburghausen, Coburg, Lichtenfels
(84 km, 566 Hm)

Höhenprofil Der Weg am Westufer der Werra ist bis Grimmelshausen teilweise ein von Pferdehufen aufgewühlter Fangotrail und Waldbodenrutschpartie. Als der Schlamm über meine Schuhe schwappt, denke ich an die sauberen Badfliesen und die weißen Handtücher von heute morgen. Im Rathaus von Themar wird mir versichert, dass es nächstes Jahr besser ist. Bis dahin sollte man dem ausgeschilderten Weg östlich der Werra folgen und nicht der (westlichen) Streckenführung im Werratal-Radführer.

Ab Grimmelshausen wird die Route zwar etwas hügelliger, aber mir gefällt das Werratal immer besser. Ich beschließe, irgendwann wiederzukomme. Mit mehr Zeit zum Sehen und Geniessen, wo mir jetzt die innere Ruhe fehlt. In Veilsdorf, hinter Hildburghausen, sage ich der Werra "Auf Wiedersehen" und fahre über Coburg nach Lichtenfels am Main. Im Wald nach Forsthub ist der auf der ADFC-Karte eingezeichnete Weg nicht einfach zu finden. Mit etwas Glück erwischt man die richtigen Waldwege. Ansonsten kommt man irgendwo wieder raus oder bleibt für immer drin... Ich zumindest habe mit einem kleinen Umweg über eine Waldfreizeitsportanlage doch eine Strecke zum Bahnhof Seehof erwischt. Der weitere Weg nach Schney ist einfach zu finden.

Heute habe ich meine ersten Platten gefahren. Mittags macht der Vorderreifen durch einen allmählich eingefahrenen kleinen Glassplitter schlapp, abends schlägt auf den letzten Metern beim Überschieben des Mains die Hinterradfelge durch. Da ist auch eine Packtasche vom Fahrrad abgefallen und wäre fast ins Wasser gerollt. Man sollte 30-40 cm breite Lücken in der Dammkrone nicht unterschätzen. Dabei könnte man einfach daneben durch das knöchelhohe Wasser fahren...

Heute segnet auch Ulf der VIII. das Zeitliche.

Abends auf dem Campingplatz in Lichtenfels wird mir wieder eine Camperweisheit bewußt: in den letzten Ecken sitzen diejenigen, die gerne Musik hören. Eigentlich heute sogar meine Musikrichtung. Aber schlimm ist es, wenn sie versuchen mitzusingen...

Und noch ein Tipp: Wo Enten watscheln, kann man im grünen Batz pflatscheln.

Fangopackung für die Bremsen (78k)



Fr 11.08.2000:
Lichtenfels, Bayreuth, Kemnath, Windischeschenbach
(118 km, 650 Hm)

Höhenprofil Im Morgennebel geht es am Main aufwärts. Der Weg zum Roten Main finde ich nicht gleich und fahre mehr nach Gespür als nach Wegweisern. Aber ich habe Glück und komme bald nach Bayreuth. Hinter Bayreuth gibt es kräftige Steigungen, der Haidenaabweg ist kein Zuckerschlecken, wenn man von den Wegen an Weser, Werra und Main träge geworden ist. Deswegen suche ich mir meinen Weg eher nach der Topographie, und meide den beschilderten Haidenaabweg. Ab Speichersdorf fahre ich sogar die Bundesstraße B22, denn ich möchte heute noch in meine Heimatstadt Windischeschenbach. Auf der B22 ist fließt zwar schneller Autoverkehr, die Straße ist jedoch ausreichend breit und führt direkt in meine gewünschte Richtung. In Windischeschenbach werde ich von meiner Familie herzlich empfangen.

KTB-Bohrturm vor Windischeschenbach (84k)



Sa 12.08.2000 - Di 15.08.2000:
Pause in Windischeschenbach
(0 km, 0 Hm)

Pause in Windischeschenbach.



Mi 16.08.2000:
Windischeschenbach, Regensburg, Bad Abbach, Herrnsaal
(145 km, 411 Hm)

Höhenprofil Entlang der Naab (ausgeschilderter Naabradweg) bis zur Donau in Regensburg. An der Donau weiter nach Westen über Bad Abbach bis zum Ort Herrnsaal (nettes "Camping auf dem Bauernhof"). Vladimir der IX., Wladimir der X. und Xaver der XI. wurden ausgetauscht.



Do 17.08.2000:
Herrnsaal, Kelheim, Ilmtaladweg, München
(133 km, 562 Hm)

Höhenprofil Von Kelheim fahre ich mit dem Schiff bis zum Kloster Weltenburg. An der Donau weiter bis Vohstad und an der Ilm nach Süden. Über Petershausen nach München. Ende.

Zugegeben, in der letzten Zeit waren die Tagebucheintragungen nicht sehr aufregend. Meist fehlt abends die Zeit - ja, Zeit, denn daran, das es nachts zapfenduster ist, habe ich mich noch nicht gewöhnt. Und tagsüber waren es meist lange Etappen. Ich gebe auch zu, in den letzten drei Wochen mehr an "mein Leben nach der Reise", als an das Hier und Jetzt gedacht zu haben. Deswegen ziehe ich einen Schlußstrich unter meinen Norwegenferien: 5444 km Fahrradstrecke (1366 km Deutschland, 3096 km Norwegen, 982 km Deutschland; dazu ca. 600 km Fähre Kiel-Oslo, ca. 600 km diverse norw. Fähren, 3000 km Autofahrt in Schweden, Dänemark und Deutschland), 98 erlebnisreiche Tage (22 Deutschland, 57 Norwegen, 3 Schweden/Dänemark, 16 Deutschland), 500 Bilder, 2 Reifenplatten, 1 Felge und 11 Speichen.

In der nächsten Wochen werde ich mich gelegentlich um die Aufbereitung der Bilder kümmern. Ansonsten den Restsommer und Herbst geniessen, Biergarten, Mountainbiken, Computern, Kekse knabbern, Kuchen mampfen und Cappuccino schlürfen.

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