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Oppdal bis Trondheimfjord (50k)

Abschnitt 6: Oppdal, Tynset, Röros, Trondheimfjord

Di 04.07.2000:
Festa bru, Oppdal, Ålbusetra
(48 km, 904 Hm)

Höhenprofil Nunja, mal sehen ob das Wetter mittags besser wird. Der zuverlässige Wetterbericht der Aftenposten kündigt die nächsten sieben Wolken- und Regentage für meine Gegend an. (Gute Textversionen: Tagesvorhersage Ostnorwegen, Langzeitvorhersage)

Gegen Mittag wird es mir, trotz geschlossener Wolkendecke, zu warm im Zelt und ich will noch die zwei Tage ohne Regenschauer zur Weiterreise nutzen.

Auf dem "Hovdem" (1125 m), dem Hausberg von Oppdal gibt es ein Internetcafe und gut präparierte Wege. Hinauf kommt man bequem mit der Seilbahn. Sein Fahrrad solle man unbedingt mitnehmen, es gäbe Strecken in "unberührter" Natur. So steht es zumindest auf einem mehrsprachigen Plakat.

Da ich selber in dem wohl kleinsten mobilen Internetcafe wohne und genug Natur um mich herum habe, reizt es mich wenig. Zumal ich sowieso im gegüberliegenden Fjell auf etwa die gleiche Höhe hochradle.

Hinter Oppdal geht es auf einem Mautweg denn auch bald in sehr steilen Aufschwüngen (15, kurzfristig bis 19 Prozent) zum Store Orkelsjöen. Unterwegs treffe ich, trotz der abgelegenen und steilen Mautstraße, ein dutzend Fahrzeuge, darunter auch ein vollbesetzter Bus. Im Bus sitzt vermutlich eine Wandergruppe des DNT (norw. Wanderverein), in den anderen Fahrzeugen Wanderer, Almenlandwirte und Hüttenurlauber. Die meisten schauen mich recht ernst an, obwohl ich ihnen freundlich zunicke. Das stimmt mich etwas nachdenklich. Entweder bin ich auf einer verrufenen Mountainbike-Strecke unterwegs, oder ich werde für verrückt gehalten. Dabei ist die Strecke in meinem norwegischen Fahrradtourenbuch (übrigens sind zwei Frauennamen als Autoren genannt) mit meist "familienfreundlichen" Touren als Anschlußstrecke aufgeführt.

Ab dem Orkelsjöen kommt das erste norwegische Wegstück, wo mir kein einziges Fahrzeug begegnet. Frische Fahrspuren sehe ich dennoch. (Satz: In Norwegen fahren auf jeder noch so einsamen Straße Autos, sonst gäbe es nämlich diese Straße nicht.) Das mag auch etwas an dem trüben Wetter und der fortgeschrittenen Tageszeit liegen. Zumal es eine Sackgasse bis zu den Almen (teilw. bewohnt von Urlaubern, erkennbar an den fußballspielenden Kindern) ist.

Für den normalen Verkehr ist an der Hånåbekksetra Schluß; Almwirtschaftsverkehr, Fahrradfahrer und Wanderer dürfen weiter. Entsprechend "reizvoll" ist der Weg zur Ålbusetra, Auftakt und Höhepunkt ist die kleine Bachdurchquerung gleich hinter der Hånåbekksetra. Zum Glück sehe ich andere Fahrradspuren, sonst wäre ich wohl länger nachdenklich bei der Alm gestanden. Aber nach der Bachfurt geht ein befahrbarer Kehrweg (breite Reifen, kleiner Gang!) weiter, der nach ca. 1,5 km, vor der Ålbusetra, in einen etwas besseren Weg mündet. Auf diesen folgt man den Fahrradspuren nach rechts und kommt zur Alm Settalsölia.

Ich befinde ich im einsamem Fjell. Kein Baum, kein Strauch, kein Wasserfall, kein rauschender Bach. Die Hügellandschaft ist von hellgrünen Moosen, dunkelgrünen Preiselbeerenkräutern und braunen Sumpfwiesen durchzogen. Leicht gluckernde Rinnsale und seichte Tümpel unterbrechen das Grün-Braun. Nur wenige Schneereste sind vom Winter übrig, aber unter den gelbtrockenen Grashalmen vom letzten Jahr regt sich erst langsam frisches Grün. Einsame violette Bergblumen wagen sich nur wenige Millimeter aus dem Boden, ihre gelben Geschwister schon etwas mehr.

Eine Hummel summt und besucht die Blüten des Heidekrauts. Weiße Schafe machen durch Gebimmel und Geblöcke meilenweit auf sich aufmerksam. Einzelne Vögel zwitschern verhalten, der Wind trägt den markanten Ruf eines Kuckucks herbei.

Über dem Land hängt eine graue, tiefe Wolkendecke, in der Ferne scheinen Sonnenstrahlen durch ein Wolkenloch.

durch's nasse Fjell (89k)



Mi 05.07.2000:
von Ålbusetra nach Tynset
(77 km, 506 Hm)

Höhenprofil Im langen Einunndalen bin ich für die wiederkäuenden Kühe eine willkommene Abwechslung zwischen dem Urlauber- und Angelerverkehr in ihren Autos. Zuvor lerne ich aber den Unterschied zwischen Schafen und Ziegen kennen. Ziegen sind geselliger und rennen etwas langsamer vor mir her. Nachdem ich an ihnen vorbei bin, rennen sie mir aber hinterher! Bei einem Stopp werden meine Fahrradtaschen genau beäugt und auch auf den Geschmack hin getestet...

Das letzte Stück ist recht steil, bergab aber kein Problem. Auf der breiten R29 rolle ich noch ein Stück abwärts bis zur Einabru und zweige auf den ruhigen Seitenweg ab, der zum See Savalen ansteigt. Hier ist ein Stück Bilderbuchnorwegen zu finden: Kiefern, See, Inseln, Abendstimmung. Für das passende Foto ist leider das passende Kanu schon zu weit draußen.

Vom Savalen geht es abwärts nach Strömmen, mit Blick auf den riesigen Hügel Tron (1666 m). Laut Karte geht da eine Straße hinauf, wäre vielleicht ein Besuch wert... Aber heute bestimmt nicht mehr, und so kreuze ich die E3 ("Autobahnverkehr" auf schmaler Straße) und fahre über Auma entlang der Eisenbahnstrecke nach Tynset.

Norwegen, ein Land des Dämmerlichts. Die Morgendämmerung fängt sehr früh an und dauert bis zur anschließenden Abenddämmerung, die bis zum Morgen dämmert. Kein Wunder, das die Autos mit Licht fahren. Unterbrochen wird das ganze von kurzen, langen oder tagelangen, leichtem Nieselregen. Sonnenstrahlen gibt es nur an wenigen Stellen, meist weit entfernt im Osten. Und wenn man dann doch von der Sonne erwischt wird, wird es gleich so unbarmherzig heiß... Kein Aprilwetter wie vorgestellt, eher Novemberwetter. Besonders stark regnet es eigentlich auch nicht, meist nur leichter Sprühregen. Mein einziger Regentag mit dickeren Tropfen war übrigens die Fahrt aus Bergen.

Jetzt habe ich genug über das Wetter getratscht. Ich bin deswegen überhaupt nicht frustiert oder deprimiert, wie manch einer glauben mag. Schließlich sind es optimale Fahrradtemperaturen für schweißtreibende Bergstrecken. Und ich nehme die Natur so wie sie ist. Der Regen ist davon ein Bestandteil, ein sehr lebenswichtiger. Mir tun nur die Norweger leid, die einen schönen Sommerurlaub machen wollen. Und zum Fotografieren oder für Ausflüge ist es keine gute Zeit.

Ziegen (76k)



Do 06.07.2000:
von Tynset bis Röros
(58 km, 500 Hm)

Höhenprofil Der Teufel muss mich reiten, als ich trotz Schauerwetter nachmittags gegen zwei Uhr nach Röros aufbreche. Eigentlich, weil mich die Mücken nerven und das Wetter eh nicht besser wird. Zuerst streikt der HAC (Wasser sickert an den Knöpfen ins Innere - Dauerkontakt) und ich bringe ihn trotz Mühen nicht richtig in Gang. Kein Streckenprofil, zumindest für heute. Aber es gibt einen Notbehelf - ich setze alle 5 oder 10 km eine Marke mit dem HAC, um zumindest ungefähr den Streckenverlauf zu erkennen.

Eine Stunde lang ist es trocken, der Rest das Fahrt bis 18:00 Uhr und den Rest des Tages liegt im kühlen Dauernieselregen, entsprechend nass liegen abends die Klamotten im Zelt. In und um Röros liegen die Campingplatzpreise auf Großstadtniveau (110 NOK für Bergstaden Camping) mit kleiner Leistung. (In Tynset kostet der Zeltplatz nur 50 Kronen. Und es gibt einen sehr gut bestückten Supermarkt der Kette "Domus" vor der Haustüre.)

Es ist wirklich ein kleiner, teurer Touristenort. Triffnass ist das Städtchen, triffnass bin auch ich, auf der Suche nach einem Campingplatz. Zufälligerweise komme ich schon an den Attraktionen der Stadt vorbei: eine Bergwerkssymbol am Kirchturm, schwarzen Schlackehalden und alten Holzgebäuden. Die Kamera bleibt aber in der trockenen Lenkertasche. Komme wieder, wenn die Sonne scheint...

Röros hat einen Flughafen mit täglichen Flug nach/von Oslo. In 40 Minuten ist man da; der Zug braucht 5 Stunden, der Bus 6 Stunden für die 400 Kilometer. (Wenn mich jemand besuchen möchte, dann bitte frisches Brot mitbringen - in Norwegen gibt es nur Fluffi-Brot. Es bleibt Fluffi-Brot, auch wenn man Körner draufbäckt... Da esse ich lieber Milchreis und Grießbrei. Oder "Wiener Stang" mit Zuckerguß.)



Fr 07.07.2000:
von Röros auf der R705 nach Norden
(62 km, 617 Hm)

Höhenprofil Nach einem netten, unterhaltsamen Morgen (ohne große Regenschauer) schaue ich mir die kleinen Modelle im Erzgieser- und Grubenmuseum von Röros an. (Wer es nicht weiß: in und um Röros wird seit dem 17. Jahrhundert Kupfer abgebaut. Röros ist zum Unesco-Welterbe deklariert worden und steht damit auf der gleichen Stufe wie z.B. die Pyramiden in Ägypten.) Zur Vertiefung auf diese Gebiet fahre ich zur Grube Olavsgruva, wo man eine Grube besichtigen kann. Zu Fuß geht es 50 Meter tief und 500 m weit in den Berg, durch labyrintartige Gänge und tropfende Stollen. Die Temperatur liegt konstant bei 5 Grad, nur so kühl wie morgens in meinem Zelt. Richtig stimmungsvoll wird es, als die Führerin in der Bergmannshalle eine Lied auf einem echten Horn bläst und die Norweger mitsingen...

Röros (62k)



Sa 08.07.2000:
Ruhetag, nähe See Riasten
(0 km, 0 Hm)

Nachdem das Wetter mehr zu Wind, Schauern, Schneeregen und Kälte neigt, bleibe ich heute meist im Zelt. Zumal ich einen netten Platz im lichten Birkenbewuchs gefunden habe.

Die Zeit nutze ich auch, um meinen HAC (der ausgefallene Fahrradcomputer) wieder in Gang zu bringen. Nach längeren Zerlegearbeiten und Tests ist es diesmal die lose Batterie im Fahrradhalter. Vielleicht hätte ich aber an dem kleinen schwarzen Ding unter dem rechten oberen Menüknopf nicht so kräftig wackeln sollen, denn seitdem piepst der HAC nicht mehr. Was soll's, hat mich eh genervt...

diesig (38k) dunkelgraues Wolkenspiel (25k)



So 09.07.2000:
See Riasten, Tynset, Selbu, Hommevik, Stjördal, Torpet/Hegra
(149 km, 978 Hm)

Höhenprofil Nachdem mittags die Sonne mehr und mehr durch die Wolken strahlt, mache ich mich auf den Weg. Und da es gar so gute Bedingungen zum Fahrradfahren gibt, bin ich bis kurz nach 22:00 Uhr im prächtigsten Sommerwetter unterwegs, bis ich in Torpet einen netten Anglercampingplatz (90 NOK, alles inkl.) finde.

Auch dass mir nach wenigen Kilometer eine Speiche reißt, trübt die Stimmung nicht. Zumindest fällt es mir da erst auf - sie kann schon vor ein paar Tagen gerissen sein, ein entsprechendes "Kling" ist mir noch leicht in Erinnerung. Bald nachdem ich mein Rad neben der Straße in den Sand gekippt habe, hält auch ein hilfsbereiter Norweger und mit drei Händen ist die Reservespeiche diesmal ohne Reifendemontage an ihrem Platz. Es ist nämlich die Seite gegenüber des Ritzelpakets.

Puderzucker auf den Höhen (72k)



Mo 10.07.2000:
von Torpet auf die Halbinsel Frosta
(68 km, 883 Hm)

Höhenprofil Am Anfang der heutigen Tour steht ein wieder ein Großeinkauf im nahen Supermarkt an, da mein Futtersack recht leer ist. Neuer Rekord: 580 Kronen. Ich kriege sogar eine ganze Melone in meinen Taschen unter (nein, nicht so ein Rieseneumel von Wassermelone, nur eine handliche Honigmelone).

Gestärkt und geschwächt rolle ich zu den nahen Steinzeit-Felszeichnungen. Meiner Meinung nach war es wohl schon manchen Frühzeitwikinger zu langweilig beim Angeln und hat lieber die Felsen mit Graffiti verziert. Das Lieblingsmotiv sind wild verstreute, kleine ovale Kreise, angeblich Füße. Da gibt es auf so mancher deutschen Bahnhofstoilette interessantere Sachen zu sehen... (Auf norwegischen Campingplätzen gab es bislang nur im Ekeberg-Camping in Oslo Klosprüche im nennenswerten Umfang.)

In Stjördal gäbe es ein Internetkaffee. Eigentlich könnte ich da meine fast vollen Foto-Speicherkarten übertragen. Aber für eine CompactFlash-Karte brauche ich wohl schon knapp zwei Stunden für die Übertragung über den seriellen Port und wer weiß, wie schnell die Anbindung ins Internet ist. Darauf habe ich heute keine Lust.

Für den technisch interessierten Leser ein Kostenvergleich: Eine 64 MB CompactFlash-Karte kostet 550 DM. Mit meinem Mobiltelefon schaffe ich beim Upload ca. 0,5 KB/s. Also 131.072 Sekunden, etwa 36 Stunden. In Deutschland bei 0,15 DM/min (Wochenendtarif) wären das 327,68 DM. Hier in Norwegen schätze ich die Kosten auf 1 DM/min, sind also 2.184 DM. Ich hätte also in Kiel die erste CompactFlash-Karte komplett uploaden sollen, das wäre eine sinnvolle Lösung gewesen. Das Billigste wäre natürlich der Kartentausch mit Zuhause per Postversand oder das Brennen einer CD auf einem PC in Norwegen. Hmm. Es gibt für den Psion ja auch einen PCMCIA-Adapter. Und mobile CD-ROM-Brenner gibt es auch schon. Fehlt bloß die passende Software... Hmm. Das ist dann zuviel Zeug. Beim nächsten Mal nehme ich das MicroDrive von IBM mit (kleine 340 MB Festplatte in CompactFlash-Kartengröße für 1000 DM). Den höheren Stromverbrauch muss ich durch mehr Reserveakkus ausgleichen oder wochenweise Kopieraktionen mit normalen Speicherkarten starten.

Die weitere Strecke führt durch aufreibendes Hügelland über Okkelberg bis Åsen. Zumindest ist das Wetter sehr schön bis sehr interessant: 35% leichte Wolken, 60% Sonnenschein, 5% Sprühregen. Auf guter Teerstraße und durch/über zwei beleuchtete Tunnels (jeweils ca. 500 m) rolle ich anschließend in den Küchengarten Trondheims. Zumindest wird die Halbinsel Frosta so scherzhaft genannt. Bislang sind mir aber keine Küchenkräuter oder ähnliches aufgefallen, nur ein prächtiges Schotterwerk. Vermutlich kommen die kilometerlangen Schnittlauch- und Petersilienfelder erst noch, denn ich habe mich schon im ersten Campingplatz auf den letztbesten Platz in den Klippen einquartiert (Typ: norwegischen Sommersitzsiedlung; davon gibt es anscheinend noch mehrere hier, zumindest hat man die nächste gut im Blick; Preis 70 NOK).

Ach, noch ein Kommentar zu den beiden Tunnel: den ersten kann man auf schmalen Gehweg durchschieben (oder ihn evtl. außen umfahren), der zweite ("Frostapforten", nicht in der Cappelen-Karte eingetragen) ist verläuft S-förmig. Den dazugehörenden Berg kann man auf der alten Straße gut bis zur Paßhöhe erklimmen, die Weiterfahrt wird von einem meterhohen Erdwall gebremst - nicht ohne Grund, denn der Weg auf der anderen Seite mündet bald in ein steiniges, schräges Geröllfeld. Entweder hat sich die Natur ein Stück Zivilisation zurückerobert oder Trondheim's Straßenbauer haben es mit der Renaturisierung übertrieben und die Straße einfach weggesprengt. Die weniger harten Radlfahrer oder die mit besonders viel Gepäck sollten besser durch den Tunnel rollen, der Offroad-Freak wird aber seinen Spaß haben.

Abends nach dem Duschen wird es mir klar: die schönsten Campingplätze sind die mit den beheizten Räumen und den heimeligen, massiven Fichtenholztoilettentüren, wie z.B. der von gestern...

Eigentlich wollte ich schon vor zwei Wochen etwas über das norwegische Bekleidungsverhalten schreiben, jetzt also meine Zusammenfassung: Der Norweger fährt meist mit Badeschlappen Auto und läuft im T-Shirt durch den Regen. Die Norwegerin zieht auch bei kühlem Nieselwetter gerne offene Schuhe an. Regenschirme, Ponchos oder Regenklamotten haben nur die Touristen. (Das liegt meiner Meinung daran, dass es sich für die paar Meter zwischen Auto und Wohnung/ Supermarkt/ Briefkasten nicht lohnt, einen Schirm aufzuspannen.) Hingegen zieht die norwegische Familie zum Wandern gerne Gummiestiefel an, was ja auch sehr empfehlenswert ist.

Steinzeit-Zeichnungen (80k)



Di 11.07.2000:
Halbinsel Frosta
(0 km, 0 Hm)

Für heute habe ich Urlaub beantragt und genieße den Blick auf den Fjord und das Meer.

Ich finde Muse für das Feintuning meiner Hinterradspeichen, und nachdem ich etwas Staub von der Felge gewischt habe, sehe ich den Grund, warum die hintere Felge in den letzten Wochen allmählich immer näher zum linken Bremsklotz wandert: die Speichenlöcher weisen dünne Längsrisse von etwa einem Zentimeter auf, besonders auf der Seite mit dem Ritzelpaket (mit den logischerweise straffer gespannten kürzeren Speichen). Deswegen lockere ich die, ich gebe es zu, recht stark gespannten Speichen und hoffe das die Felge noch den Rest der Tour übersteht. Für den nächsten Urlaub werde ich stabile Downhillfelgen mit 36 Speichen montieren, nehme ich mir vor.

Wolken (33k)



Mi 12.07.2000:
auf der Halbinsel Frosta bis Tautra und Åsholmen
(38 km, 319 Hm)

Höhenprofil Wer in Norwegen ein trockenes Zelt einpacken möchte, sollte im Regen schon anfangen, seine Packsäcke zu packen. Und wer alte Ruinen in der Sonne sehen möchte, muss im Regen losfahren. Zumindest ist das das Resüme von heute morgen. Aber mittlerweile ist es auch in Norwegen Sommer, mit warmen Tagen und lauen, endlos hellen Abenden und Grillpartys. Da macht ein bißchen Regen am vormittag nichts aus.

Die Klosterruinen von Tautra sind optimal für ein Picknick, dass finden auch die Norweger. Und weil es so ein schön gemütlicher Tag ist, wird es heute nur eine kurze Tour von 38 Kilometern (und geringen 310 Höhenmetern). Ich könnte hier auf dem Campingplatz von Åsholmen (70 NOK) am warmen Trondheimfjord glatt den Rest des Sommers verbringen und Winterspeck anfuttern. Warum soll ich weiterradeln, auf den Lofoten ist es auch nicht schöner. Es gibt zwar viele kleine Beissfliegen und eine einfach-ulkige sanitäre Ausstattung (man hat die Wahl zwischen zwei Türen: links eine 10 Quadratmeter große Toilette - so verlassen saß ich noch nie auf dem Topf - rechts eine Dusche mit Pissoir in der gleichen Zimmergröße.) aber die ebene Zeltwiese geht bis ans Meer und der Blick auf den sonnigen Fjord macht alles wett.

Klosterruinen von Tautra (78k)



Do 13.07.2000:
Åsholmen bis Stiklestad
(68 km, 696 Hm)

Höhenprofil Heute zieht Norwegen wieder seine grauen Gardinen zu, später wird daraus ein Duschvorhang. Eben weil es so trist ist, mache ich mich auf den Weg, motiviert wie immer auf der Suche nach dem "Irgendwas".

In Falstad war von 1940 bis 1945 ein deutsches Gefangenenlager. Im nahen Wald sind die Fundstellen der verstreuten Einzel- oder Gruppengräber markiert. Nicht nur der kalte Wind läßt mich im Unterholz klamm werden.

Der weitere Weg führt zu der Nordkapstraße E6, hier teilweise zur Autobahn ausgebaut. Als Fahrradfahrer sollte man sie wegen der hohen Verkehrsdichte meiden. Deswegen verläuft meine Fahrstrecke auf den vorhandenen Nebenstraßen. Ein kleines Handicap ist heute das Straßengewirr der größeren Städte sowie die Beschilderung und teilweise der Verlauf der Nebenstraßen, da hier meine Cappelen-Karte überfordert ist. Aber mit etwas Spürsinn finde ich meinen Weg. Nur bei der Platzierung des heutigen Campingplatzes nahe Stiklestad rate ich falsch - das Campingsymbol ist exakt über einem Fluss eingezeichnet. Also hier der Tipp: am Südufer des Helgåa gibt es keinen Campingplatz, nur frische Kleibodenwege. Der Platz liegt am Nordufer, von Stiklestad 2 km südöstlich auf der R757. Und für 60 Kronen ist alles inklusive, Duschen und Stromanschluß. Schade das ich keine Kabeltrommel eingepackt habe...

Stiklestad ist bekannt für seine Freilichtfestspiele zu Ehren des Heiligen Olavs, Festwoche ist Ende Juli. Ich hoffe, bis dahin hat der Regen nachgelassen und ich sitze auf den Lofoten in der Sonne.

Gedenkstein Falstad (60k)



Fr 14.07.2000:
Stiklestad
(0 km, 0 Hm)

Und der Herr sah, dass die Menschen schlecht waren. Er lies Regen vom Himmel fallen und vertilgte jede Sünde. So ist es. Überall schon tiefe Pfützen... Nein, es gibt keine sintflutartigen Regenfälle. Es ist eher so, wie wenn einer den Wasserhahn nicht richtig zukriegt und es neben der Dichtung rausspritzt. Und zufälligerweise ist es eben Norwegen, wo es seit Äonen heruntersprüht. Die vielen verstreuten vermeintlichen Fußumrisse in den Felszeichnungen sind nämlich gigantische Regentropfen!

Wie hat gestern ein Norweger treffend gesagt: Wir haben einen Tag Sonne in der Woche. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Zeit im Zelt habe ich heute für eine weitere Online-Stunde verschwendet und u.a. die WWW-Seite von Abschnitt 1 umbenannt. Wem zufälligerweise tote Verweise (z.B. in den anderen Seiten) auffallen, dann bitte kurze E-Mail an mich.

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